Sonntag, 8. Januar 2012

Weihnachten, Silvester, Geburtstag…

Namaste

Ja die letzten Wochen war wirklich sehr viel los. Es waren ja ein paar wichtige Ereignisse, die heuer einfach ganz anders waren als sonst immer, aber sehr spannend und schön, darum möchte ich euch unbedingt davon erzählen.
Zuerst war meine Prüfungszeit, von der ich im letzten Blogeintrag geschrieben habe. Die Prüfungen waren nicht sonderlich schwierig und es waren ja nur vier, also ist alles ganz gut gegangen. In einem Fach bin ich sogar Klassenbeste, und das, obwohl ich eigentlich die Hälfte der Kurse verpasst habe und prinzipiell immer wieder einiges auch auf Nepali gesagt wird. Meine allgemeine Benotung ist eigentlich auch ganz gut, obwohl manche Lehrer schon etwas komisch hier sind.
Mein Praktikum ist auch immer wieder recht spannend. Ich war im letzten Monat in einer anderen Klasse mit Schülern, die nicht körperlich beeinträchtigt sind, sondern nur geistig, dafür das in allen möglichen Formen mit verschiedensten kreativen Verhaltensformen, die es teilweise extrem schwierig machen. Ganz besonders spannend war mein erster Tag in dieser Klasse, da wir nur zu zweit waren, ich und eine andere Volontärin (sie hatte ihren ersten Tag in der Klasse einen Tag zuvor). Wir wussten nicht einmal die Namen der Kinder, weder irgendwas über ihre Verhaltensformen. Ja das ist Nepal- Spannung pur.
Am 23. Dezember waren wir mit dieser Schule zu einer Weihnachtsfeier in einem Kaufhaus eingeladen, wo alles ganz kitschig geschmückt war, Weihnachtsmusik spielte und viele Santa Claus herumstanden. Eigentlich furchtbar, aber irgendwie kam ich doch etwas in so Art Weihnachtsstimmung.
also mein Weihnachten:
Am 24. war ich eher mehr krank als gesund, also schlief ich den ganzen Tag. Durch viele Zufälle kam ich am Abend aber dann zu einem Weihnachtsgottesdienst in einer katholischen Kirche mit einer aus meinem College. Sie ging zwar dann wieder, ich blieb aber einfach in der Messe sitzen und hoffte, dass ich irgendwie nach Hause komme. Dort war dann mein richtiges Weihnachten. Es wurden Lieder gesungen, die ich kannte, die Kirche war schön geschmückt, alle wünschten sich Frohe Weihnachten… wunderschön. Ich lernte dann voll nette Mädls kennen, die mir auch dann schlussendlich halfen den richtigen Bus zu finden (es gab nämlich zu meinem Glück Shuttle- Busse von der Kirche) und ich kam schlussendlich fast genau vor meinem Hostel an. (Dies ist die Kurzfassung von vielen Zufällen, die im Ganzen eigentlich fast ein Weihnachtswunder bilden). Im Hostel skypte ich dann mit vielen lieben Menschen in Österreich, was meine Weihnachtsstimmung auch wieder hob. Aber um 12 Uhr ging ich dann doch schlafen und war eigentlich zufrieden. Plötzlich um 1 Uhr in der Nacht höre ich Stimmen am Gang und dann wurde schon meine Zimmertüre aufgerissen, das Licht aufgedreht und vier meiner Hostel Freundinnen stürmten herein und riefen „Merry Christmas“ und ich bekam voll nette Geschenke (viele kleine kitschige Santa Claus). Sie meinten, dass sie leider nicht wissen wie man Weihnachten feiert, aber es ist mein Fest, also wollten sie es mit mir Feiern. Wir haben dann noch gelacht, getanzt, Fotos gemacht und viel Spaß gehabt. Ich hab mich sooooo sehr darüber gefreut. Am nächsten Tag ging ich dann nochmal mit einem Freund in die Kirche, skypte mit meiner Familie und dann war mein anderes, aber tolles Weihnachten schon wieder vorbei.

Bald darauf kam schon Silvester:
Alle im Hostel hatten große Pläne, wir machen dies und das. Schlussendlich war es 31. Jänner 22 Uhr und ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendwas anders ist. Ich fragte mal nach dem Plan und mir wurde mitgeteilt, dass wir jetzt alle schlafen und uns um halb 12 gegenseitig aufweckten. Ok anders, aber na gut. Ich blieb dann auf und schrieb noch meine Arbeit fürs College. Um halb 12 war ich noch am Skypen und im Hostel war alles ruhig. Um 10 vor 12 weckte ich dann alle der Reihe nach auf, wir zählten dann zu viert den Countdown, umarmten uns und schnitten eine Tore an und fütterten uns natürlich gegenseitig. Mit der Zeit wurden dann noch ein paar andere munter und kamen zu unserer Feier. Wir tanzen ca. bis 1 Uhr und hatten viel Spaß, aber dann wars schon wieder vorbei und ich ging schlafen. Es war anders, aber doch sehr schön und außerdem muss ich ja erwähnen, dass ich am Morgen um 7 Uhr schon wieder im College saß, und ich war sogar halbwegs munter 

Dann 3. Jänner war schon mein Geburtstag. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich etwas Schulisches machen an diesem Tag. Also saß ich um 7 Uhr in der Früh im College und war ganz überrascht als sie mir gratulierten (ich bin nämlich gerade in einer anderen Klasse, weil meine Klasse gerade externe Prüfungen hat). Ich teilte also Schokolade an alle aus. Dann nach dem College ging ich mit einer Studienkollegin in ein Trainingcenter, in dem ich gerade für ein paar Tage Englisch unterrichte. Dort wussten sie dann auch wieder irgendwie, dass ich Geburtstag habe und sie sangen für mich. Dann traf ich meinen Hostelbruder, der drei Monate hier wohnte und der mich unbedingt treffen wollte. Nach einer kurzen Pause im Hostel ging ich mit meinen Freunden gemeinsam essen (mhhh lecker Naan mit Butter Paneer  ). Ich kam erst spät ins Hostel, wo schon meine Freunde warteten. Alle Stylten sich und dann ging schon die Party los mit Torte anschneiden, Geschenken und tanzen tanzen tanzen. Zwischendurch skypte ich mit ein paar ganz lieben Menschen aus Österreich und dann wars schon 12 Uhr in der Nacht und ich war fix und fertig, glücklich und einfach nur müde.

Leider zieht sich mein Nicht- so- ganz- gesund- sein schon seit Weihnachten durch. Ich glaub, dass einfach die Kälte in der Nacht für mein Asthma echt nicht so der Wahnsinn ist. Aber ich ziehe eh meistens drei Pullover, zwei Kapuzen, zwei Leiberl, zwei Paar Socken usw an. Letzte Nacht bin ich sogar mit meiner Jacke eingeschlafen. Untertags ist es teilweise sogar recht warm, aber irgendwie in der Nacht dichteten die Fenster echt nicht so gut ab.

Naja wie schon kurz erwähnt unterrichte ich gerade Jugendliche für ein paar Tage in Englisch. Es geht nur darum, dass sie die Angst verlieren und in Englisch kommunizieren anfangen. Teilweise können sie ganz gut Englisch, manche erinnern mich aber eher an meine Schüler in Indien. Ich mache mit ihnen viele verschiedene Spiele und sie sind echt begeistert davon.

Seit gestern hab ich zwei Wochen Winterferien. Die werde ich ab morgen in Dipayal (in dem wunderschönen, abgelegenen Dorf) verbringen. Es ist einfach ein ganz anderes Leben dort, das mich soo sehr beeindruckt.
Dort bleibe ich 10 Tage. Wenn ich dann zurück komme habe ich noch Visum für 10 Tage und dann geht’s nochmal für ein paar Wochen ab nach Indien, weil ich in Österreich im Februar eigentlich eh noch keine Verpflichtungen habe, außerdem kommt eine ganz liebe Freundin nach Indien, mit der ich dort meine Zeit verbringen will.

Ja und dann liebe Leute ist es schon wieder soweit und ich komme rechtzeitig zum neuen Semester nach Österreich. Die Zeit verfliegt, was einerseits gut ist, weil ich mich echt schon auf Österreich freue. Andererseits ist es immer schwer Abschied zu nehmen, weil mir hier einige Menschen echt schon sehr ans Herz gewachsen sind.
Doch jetzt genieße ich einfach die letzte Zeit noch hier.

Ganz viele liebe Grüße aus Nepal

Sonntag, 27. November 2011

College, Praktikum and and and…

Endlich ist es mal so weit und ich kann auch davon berichten, weswegen ich eigentlich da bin- mein Studium. Ehrlich gesagt gibt es diesbezüglich derzeit sogar einiges zu tun, hätte ich fast nicht erwartet.
Ja also nachdem ja meine Ferien wunderbar und lang waren, ging es dann endlich wieder mit dem College los. Die erste Woche waren wir sehr wenige Studenten, aber schön langsam kam es dann ein bisschen ins Laufen und es kamen sogar einige, mir bis jetzt unbekannte, Kollegen. Die erste Woche war noch wie gewohnt: So- Di College und Mi- Fr Praktikum. Dann erfuhr ich irgendwie, dass die anderen alle schon mit ihrem Praktikum fertig sind, naja ich habe gerade erst drei Wochen hinter mir, also noch nicht so viel. Also beschlossen wir, dass ich weiter Mi- Fr Praktikum mache. Die anderen hatten aber ab jetzt dann jeden Tag College und immer dieselben Fächer, also entschloss ich mich, dass ich den Unterricht auch nicht verpassen will, weil es ja doch irgendwie aufbauend ist und ich sonst immer nur die Hälfte mitbekomme (also besser gesagt nur ein Viertel, weil die Hälfte ist ja sowieso in Nepali). Naja somit ist mein Wochenplan nun So- Di College und Mi- Fr von 7- 12 Uhr College und dann noch von 12 – 4 oder 5 Praktikum. Am Abend dann noch teilweise irgendwelche Arbeiten fürs College schreiben, oder einfach schlafen. Es ist zwar etwas stressig, aber das brauch ich eh, außerdem wir bis jetzt eh noch nicht soviel los, also darf ich jetzt eh mal mehr tun. Naja aber nächste Woche wird sich eh schon wieder alles ändern, da sind nämlich die Abschlussprüfungen für dieses Semester. Das System ist hier so, dass sie in jedem Fach eine Prüfung am College ablegen müssen (diese Note wird dann mit Mitarbeit, Anwesenheit, Hausübungen, Referate usw. gegeben) und, weil das College ja zu einer Universität gehört, müssen sie dann in jedem Fach noch eine Prüfung dort schreiben. Diese Note ist dann die andere Hälfte der Gesamtnote.
Zur Prüfung an der Universität bin ich nicht zugelassen, aber die Prüfung im College, darf ich, wenn ich will mitschreiben. Ich hab zwar ca. 2 Monate vom Stoff verpasst, aber dafür war ich die letzten zwei Monat immer da und irgendwie wird eh soviel wiederholt. Leider hab ich auch nicht so recht Vorwissen bezüglich soziale Arbeit, aber ich komm eh gut mit, des passt schon. Mir würde also gesagt, wenn ich will kann ich die Prüfung mitschreiben. Ich habe dann mit der Lehrerin eine Weile gesprochen, bis ich sie dazu gebracht habe, dass sie sagt, ich muss die Prüfung schreiben. Sonst würde ich ja gar nicht den gelernten Stoff lernen, das wäre irgendwie auch unfair, deswegen schreibe ich diese Prüfungen alle mit (obwohls dann eh wieder egal ist, ob ich gut bin oder nicht, aber irgendwie will ich mich ja beweisen, darum hab ich eh an Ansporn).
Naja diese vier Prüfungen sind dann nächste Woche, also ist dann kein Unterricht im College, sondern dazwischen sind freie Tage zum Lernen. Eine oder zwei Wochen später (der Termin steht noch nicht fest, weil es auf der Universität wieder politische Probleme gibt und diese somit gesperrt ist, oder war). Diese Zeit möchte ich dann nutzen, um mehr in meinem Praktikumsplatz zu arbeiten, weil ich ja durch Unterricht und Prüfungen einiges verpasst habe.

Naja mein neuer Praktikumsplatz... Nach langem Suchen haben wir endlich etwas gefunden, wo ich auch wirklich die Kinder sehe, mit denen ich arbeiten soll ;)
Die Organisation heißt CBR Patan und ist so eine Art Schule für Kinder mit jeder Art von Behinderung, aber fast alle haben eine geistige Beeinträchtigung. Eine Klasse ist so Art Werkstätte, wo die Schüler Kerzen machen, zwei Klassen sind mit Kinder, die gehen können und auch teilweise schreiben oder so. Und ich bin in der Klasse die „day care“ genannt wird, also so Art Tagespflege. Hier sind alle Kinder, die ich als „schwerstbehindert“ einstufen würde. Eine Klasse dieser Art hat glaube ich in Österreich noch keiner gesehen, es ist gewaltig. Insgesamt sind 8 Kinder in der Klasse, wobei alle körperlich und mehr oder wenig geistig beeinträchtigt sind. Zwei Kinder liegen nur herum und können nur ein bisschen unterhalten werden, die anderen sitzen oder können alleine ein bisschen gehen, eine kann schreiben, sprechen kann keiner so wirklich, außer irgendwie herumschreien. Und dann gibt es noch eine Schülerin, die immer herumlauft und davonläuft, und wenn sie gerade im Klassenzimmer ist, dann schmeißt sie alles einfach herum, was natürlich sehr spannend ist, wenn zwei Kinder sich gar nicht wehren können und diese beiden meistens am Boden liegen, weil sie nicht so viel sitzen können. Die Lösung für dieses Problem war dann meistens, dass das Mädchen an einen Sessel gebunden wurde, sie hat dann zwar immer herum gespuckt, aber konnte wenigstens niemanden verletzten. Des klingt jetzt sehr hart und ich war auch voll geschockt über diese Methode, aber es ist einfach so, dass prinzipiell nur eine Lehrerin und eine Helferin in der Klasse sind, wobei oft auch jemand alleine ist. Da ist man beschäftigt mit Kinder aufs Klos sitzen, Hosen wechseln (es gibt keine Windeln oder so… sobald die Hose nass ist wird sie in die Sonne gelegt und eine neue angezogen), die Kinder bei Laune halten (weil meistens wenn man alleine in der Klasse ist- so wie ich gleich am zweiten Tag- dann fangen ein bis zwei Kinder zu weinen an, ein Kind macht sich an, das andere schreit, weil es aufs Klo muss und das Mädchen macht sich los und schmeißt alles um sich, was sie findet). Also von unterrichten ist hier absolut keine Spur, weil teilweise nicht mehr Zeit bleibt, als den Kindern irgendein Spielzeug hinzustellen, damit sie ein bisschen beschäftigt sind. Prinzipiell ein Kind ist versorgt, solange die Hose trocken ist und es ruhig ist.
Anfangs war ich sehr geschockt über diese Tatsache, und hab mir gedacht, die sind so unprofessionell, bis ich eben mal kapiert habe, wie es ist wenn nur ein oder zwei Erwachsene in der Klasse sind. Ich habe dann begonnen, die Zeiten dazwischen zu verwenden, um mit einigen Schülern so Art Lernspiele zu machen (naja ist natürlich schwierig, wenn es fast keine Materialien gibt, aber es geht). Ich habe dann einige Ansatzpunkte herausgefunden, wo echt lernen mit den Kindern stattfinden kann. Außerdem habe ich angefangen und durchgesetzt, dass das Mädchen fast nicht mehr am Sessel angebunden ist. Sie hat irgendwie große Wahrnehmungsprobleme, doch ich habe herausgefunden, dass sie sich beruhigt, wenn sie ihren eigenen Körper spürt. Mittlerweile hat sie sich angewöhnt, dass sie sich einfach auf meinen Schoss sitzt, wenn sie das Bedürfnis hat sich selbst zu spüren. Das tut dann voll gut, weil sie sich sehr beruhigt… sie wir dann ganz still und dann… hihi wird es plötzlich warm auf meinen Beinen, weil sie sich so fallen lasst und alles was in ihr drinnen ist (ja klar hat sie eine Wechselhose mit, aber ich nicht, oje). Gut, dass dies an einem Tag gleich zweimal passierte, da hat sich am Abend wenigstens das Hose waschen ausgezahlt. Einmal ist sie wiedermal davon gelaufen und ich hab sie zurück geholt. Sie wurde voll sauer, also biss sie mich in mein Kien, sodass ich einige Tage geschwollen war. Die Mitarbeiter sekkieren mich schon, weil ich soviel Liebe für dieses Mädchen habe, aber sie ist einfach eine große Herausforderung und die meisten anderen Mitarbeiter machen eher einen Bogen um sie.
Naja irgendwie hab ich auch erfahren, dass ich die einzige „Fachfrau“ in der Schule bin, weil niemand eine Lehrerausbildung hat, geschweige denn Sonderschullehrer. Der Direktor hat gleich mal gemeint, ich soll eine Fortbildung für die Lehrer machen, aber des is ma dann doch etwas zuviel.
Das praktische an der Schule ist, dass viele ausländische Volontäre dorthin kommen (für eine Woche bis teilweise mehrere Monate) und mitarbeiten. Ich beschloss nun mit der Lehrerin, dass wir für jedes Kind einen Plan mit Aktivitäten machen, wie die Fähigkeiten gefördert werden können. Somit kann es sofort ausgenutzt werden, wenn mal mehr Menschen in der Klasse sind und das Ganze funktioniert somit nach einem Plan, also mit System und nur so kann auch bei den Kindern etwas erzielt werden. Ich bin nun gerade fleißig am Förderplan suchen und diese Woche geht’s dann hoffentlich so wirklich los. Hoffe der wird echt gut, den somit kann ich dort was Nachhaltiges bewirken, mal sehen.
Dort sprechen nur einige Lehrer halbwegs gut Englisch, also spreche ich die meiste Zeit irgendwie Nepali, was mir sehr gut tut, da ich somit mein Vokabular verbessern kann. Aja ich kann mittlerweile auch schon fast alles lesen, ich versteh zwar nichts, aber wenn ich den richtigen Bus suche o.ä., dann kann es schon mal hilfreich sein.

Oh ich schreib schon wieder ewig dahin.
Zu meinem Hostel diesmal nur kurz, weil es eigentlich nur ärgerlich ist, wie es hier zugeht. Mittlerweile sind wir schon zu sechs Studenten. Ich hab sogar eine Zimmerkollegin seit letzter Woche. Sie verwandelt unsere Zimmer fast in einen Beautysalon und die anderen sind auch voll dabei. Ja schon witzig, wenn sie in der Mittagspause eine Stunde lang dasitzt und sich schminkt und ich daneben am Boden sitze und meine Läuse heraus kämme. Ja schon witzig, dass ich irgendwie von allen diejenige bin, die sich nie beschwert und am umgänglichsten ist.
Sonst wir nur gestritten und jeder motzt über jeden, also keine Energie wird von mir davon verschwendet, so gut es geht.


Meine Freizeit verbringe ich die meiste Zeit mit Freunden aus Dipayal. Ich habe echt einige gute Gesprächspartner gefunden und bin noch immer beeindruckt, wie hilfsbereit die sind, unwahrscheinlich.
Außerdem merke ich, wie Freundschaften hier funktionieren. Gestern hab ich einige auf eine Pizza eingeladen, weil wir ewig schon davon gesprochen haben und es hat sich niemand bei mir bedankt. Irgendwie für uns voll arg, aber da braucht man sich unter guten Freunden nicht bedanken, weil des selbstverständlich ist, dass man etwas füreinander tut und man gibt’s ja dann eh wieder irgendwie zurück.

Naja also mein Leben ist voll mit College, Schule und wirklich guten Freunden.
Manche Sachen, Situationen, Freiheiten von Österreich gehen mir schon teilweise sehr ab, aber ich genieße hier so gut es geht jeden Moment (auch wenn ich in der Früh eine Stunde lang warte, bis der Unterricht los geht, weil alle zu spät kommen), den die Zeit läuft eh schnell. Diese Woche muss ich schon ein neues Visum beantragen, weil drei Monate um sind.

Aja in der Nacht ist es schon sehr kalt und ich hab schon Husten und Schnupfen, aber untertags kann man teilweise im T-shirt draußen sein (gestern hab i ma sogar an Sonnenbrand geholt).
Naja so viel schon wieder so lang von mir. Ich habs übrigens endlich geschafft, dass ich die ersten Fotos raufgestellt habe.

Hoffe euch geht’s allen gut. Ich freu mich immer wieder über Nachrichten von zuhause. Da fällt mir gerade ein, dass ja der Advent schon bald beginnt. Naja also wünsche ich euch eine möglichst besinnliche Adventzeit- nehmt euch Zeit für euch selbst und eure Liebsten!

Ich bin in Gedanken bei euch!

Martina

Dienstag, 1. November 2011

eine unvergessliche Reise- I love my Dipayal

Heute ist mein letzter Ferientag und irgendwie bin ich froh darüber, dass es morgen endlich wieder damit losgeht, wofür ich eigentlich da bin. Doch meine Ferien habe ich echt genossen. Die erst Zeit habe ich viel in dem Waisenhaus verbracht. Gleich am Anfang habe ich mal eingeführt, dass wir jeden Tag Fußball spielen gehen. Die Kinder waren den ganzen Tag nur zuhause und hatten viel Lernzeit, also schaffte ich es die Verantwortlichen zu überreden und es war dann schon fix im Tagesplan, dass wir auf den Fußballplatz gehen. Die Mädls nutzen diese Zeit um spazieren zu gehen oder einfach nur herumzulaufen und ich und die Burschen spielten ein bis zwei Stunden Fußball. Es tat den Kindern so gut und sie fragten mich jeden Tag wieder, ob wir eh wieder raus gehen.
Dann Mitte Oktober war es endlich soweit und das große Fest Deehar kam. Der Leiter des Waisenhauses fragte mich, ob ich dieses Fest mit ihnen feiern will. Also kam ich an diesem Tag schon sehr bald in der Früh zu ihnen und verbrachte den ganzen Tag dort. Wir gingen zu Verwandte des Leiters und bekamen Reis mit roter Soße auf die Stirn geschmiert. Klingt jetzt nicht so besonders, aber es ist so ein wunderschöner Moment. Man wird dabei vom Familienältesten gesegnet und sie beten für einen. Echt ergreifend und schön, dass ich so dabei sein konnte.
Ich nutze in den Ferien auch die Zeit und übernachtete einmal bei den Kids. Es war voll lustig und schweißte uns noch etwas zusammen.
Viel Zeit von meinen Ferien verbrachte ich aber auch mit schlafen, ausrasten, Ruhe genießen etc. ich las auch einige recht gute Bücher auf Englisch und begann am Schluss mit meiner großen Leidenschaft stricken. Außerdem besuchte ich einige schöne Plätze in Kathmandu, traf mich mit einem Bekannten aus Kalifornien, ging mit meinen nepalesischen Freunden wandern (naja für mich spazieren gehen, sie waren recht erschöpft nachher) usw. Einmal besuchte ich auch meine Gastfamilie, bei der ich am Anfang wohnte.
In der vorletzten Woche bekam ich dann plötzlich Zuwachs in meinem Hostel. 7 Mädls kehrten schon zurück von ihren Ferien und blieben für eine Woche bei uns, weil das andere Hostel noch zuhatte. Einerseits war es voll spannend mit ihnen… wir führten spannenden, interkulturell geprägte und sehr bereichernde Gespräche. Einerseits leben sie teilweise so einen modernen Lebensstil wie wir und es waren alle gebildete Mädls. Andererseits hatte nur eine von ihnen irgendwie Ahnung von Sexualität und dem weiblichen Körper. Es war für mich etwas schockierend, weil diese Mädchen ja die gebildeten sind (alle so im Alter von 19 bis 21). Viele in ihrem Alter, in den Dörfern (sehr ungebildet, wenn ich das so sagen darf) sind schon verheiratet und haben ein Kind, sind aber komplett überfordert mit allem was da dazu gehört. Somit wird alles nur vom Mann geleitet und die Frau ist voller Angst, weil sie nicht weiß was mit ihr geschieht. Ich weiß von einer Freundin, dass sie gar nicht wusste, wie das Kind (sie war schwanger) aus ihrem Bauch heraus kommen soll.

Und dann vor etwa 2 Wochen telefonierte ich mit einem Studienkolleg von mir- Ramesh und er fragte mich, ob ich ihm in seinem Dorf besuchen will. Ich war sofort total begeistert, weil ich mir schon die ganze Zeit wünschte, dass ich ein Dorf besuchen kann. Einige Leute luden mich war ein, aber irgendwie (so wie oft in Nepal) setzte es niemand in die Tat um, obwohl ich manchmal schon den Tag der Abreise wusste und ein Versprechen dazu. Naja, ich wusste dass ich mich auf Ramesh verlassen kann, also entschied ich mich ihn zu besuchen.
Ich hatte keine Ahnung wie weit das Dorf weg ist und ob es eher einfach ist, oder schon entwickelt, doch ich wünschte mir, dass es ganz ganz einfach ist.
Nachdem ich mich entschieden hab, traf ich am nächsten Tag einen Freund von Ramesh und wir gingen gemeinsam mein Ticket buchen. Am Tag drauf, Samstag 22.10., wars dann schon so weit und ich saß um 11 Uhr in der Früh im Bus, ganz auf mich gestellt und ich wüsste nur, dass es eine lange Reise wird und ich erhoffte mir, dass die nächsten 10 Tage sehr bereichernd werden für mich.
Meine Erzählungen über diese Zeit muss ich in drei Teile gliedern. Hinfahrt – meine Zeit im Dorf und Rückfahrt, den eine Reise in Nepal ist immer ein Abenteuer für sich.

Also HINFAHRT:
Um 11 Uhr, sogar Pünktlich startete der Bus von Kathmandu. Ich war die einzige Weiße im Bus, fast nur Männer waren um mich. Mein Platz war Sitz Nr. 1 somit war ich voll im Zentrum des Geschehens. Es ist so spannend was da alles so los ist im Bus.
Das erste Mal so richtig spannend wurde es nach eineinhalb Stunden Fahrt. Der Bus blieb stehen und die meisten Leute stiegen aus. Bis dahin fand ich noch niemanden der Englisch spricht, und draußen war es eh heiß, also blieb ich einfach mal sitzen. Der Fahrer und ein paar andere begannen den Bus irgendwie aufzuschrauben (ich mit Sitz Nr. 1 natürlich beste Aussicht). Anscheinend gab es irgendein Problem mit den Gängen. Nach nur 10 Minuten sprang von einem vorbeifahrenden Lastwagen ein Mechaniker herunter (keine Ahnung von wo und wie der kam). Dann wurde immer mehr und mehr aufgeschraubt und runtergenommen, mir wurde schon ganz schierch. Irgendwann stieg ich dann auch mal aus und begann mit jemandem zu sprechen und nach nur drei Stunden Wartezeit ging es auch schon wieder weiter. Also ca. 5 Stunden waren wir schon unterwegs und haben den Weg von eineinhalb Stunden zurückgelegt, konnte nur besser beginnen meine Reise.
Doch es war nur der Anfang chaotisch, dann verlief alles ganz gut. Um 10 Uhr am Abend gingen wir dann noch etwas essen und dann wurde es ruhig im Bus. Ich lernte auch in den ersten 12 Stunden Fahrt schon einige Menschen kennen und einer davon setzte sich dann zu mir und wir quatschten irgendwie die ganze Nacht durch und ich erfuhr wieder viel über Nepal, die Kultur hier usw. Die Zeit vergingen sehr schnell, zwischendurch stoppten wir ca. 5 Mal, weil die Polizei durch ging und Gepäcksstücke durchsuchte. Plötzlich war es schon 7 Uhr in der Früh, ich war schon 20 Stunden mit dem Bus unterwegs und hab noch keine Minute geschlafen. Eine Stunde später kamen wir dann in einem etwas größeren Dorf an, wo fast alle Menschen aus dem Bus ausstiegen. Mir wurde mitgeteilt, dass meine Reise jetzt nur mehr ca. 6 Stunden dauert (ja 6 Stunden klang echt wenig für mich). Wir saßen dann noch zu viert im Bus und warteten, als mir endlich jemand übersetzte, dass der Bus nicht mehr weiterfährt, weil zu wenige Leute im Bus sind. Da ich aber das Ticket ja noch weiter hatte, suchten mir die Mitarbeiter einen anderen Bus und versprachen mir, dass ich eh einen guten Platz bekomm. Nach wieder einer Weile warten fand ich mich in einem vollgestopften Kleinbus, aber ich hatte eh einen verhältnismäßig guten Platz. Aja das Dorf in dem wir gerade waren, war in einem sehr flachen Gebiet, doch von da an gings die Hügel rauf. Wunderschöne Landschaft dort, doch nichts anderes als Kurven und Kurven. Meinen guten Platz gab ich nach einer halben Stunde sehr gerne her, da sich alle Frauen und Kinder um mich herum übergaben. Also saß ich dann gegen die Fahrtrichtung auf einer schmalen Bank irgendwo eingezwängt. Weil der Bus ja eh nur vollgestopft war kam dann auch noch ein religiöser Sänger mit seiner Geige in den Bus, glücklicherweise genau neben mein Ohr. Er sang lautstark ca. eine halbe Stunde oder länger dann waren wir erlöst. Später schlief noch ein Kind für ein oder zwei Stunden auf meinem Schoß, weil die Mutter sich irgendwie noch immer ständig übergab. Im Bus war ein Mann der sehr gut Englisch sprach und mir viel erzählte, wieder sehr interessant. Außerdem erfüllte er mir meinen Wunsch und ich durfte ca. eine halbe Stunde lang am Dach des Kleinbusses mitfahren. War echt schön und mal ein guter Geruchswechsel (im Bus entleerten sich schließlich noch immer die Mägen). Da ich aber doch schon müde war, verbrachten wir die letzten Stunden noch im Bus. Ich aß auf dieser Strecke nichts mehr, weil mein Magen schon auch etwas damit kämpfte, dass ich insgesamt ca. 7 Stunden lang rückwärts nur Kurven fahre. Aja außerdem entdeckte ich im Bus zwei Männer die Telugu sprechen. Die Leute schauten alle nicht schlecht, als wir da eine Weil uns einfach nur auf Telugu unterhielten, war schön.
Die letzte Stunde war dann schon etwas erschöpfend, weil ich gscheit müde wurde und ich aber den doofsten Platz zum Schlafen hatte- es war einfach nicht möglich.
Um ca. 15 Uhr (also nach 28 Stunden Busfahrt) hieß es plötzlich „Schau da unten ist Dipayal- dein Ziel“. Ich war erleichtert doch war kein bisschen erschöpft, weil ich so überwältigt und zufrieden war mit dem Blick der sich mir bat. Also wie gesagt, die Reise war so unvergesslich, spannend und voll mit Abenteuer, mir war keine Sekunde langweilig, sondern ich genoss jeden Moment und lachte in schwierigen Momenten einfach in mich hinein.

Doch nun begann meine Zeit in Dipayal.
Ramesh war natürlich (wie erwähnt er ist ja verlässlich) schon auf der Bushaltestelle und ich war erleichtert ihn zu sehen (irgendwie glaubte mir niemand, dass ich wirklich von jemanden abgeholt werde). Wir gingen gemeinsam ca. eine halbe Stunde zu seinem Haus. Der Weg führte von der Bushaltestellte zuerst über eine dünne Brücke über einen großen und klaren Fluss und dann Wege zwischen Häuser und Felder, wir begrüßten seine Verwandten am Weg, die alle sehr neugierig sahen und erreichten dann sein Haus. In diesem Moment war ich einfach soo glücklich.
Seine Familie hat eigentlich zwei kleine Häuser. Sie sind außen aus Stein und innen aus Lehm. In einem Haus ist oben eine kleine Küche (es wird natürlich mit Feuer gekocht) und daneben ein großer Raum zum Essen und gleichzeitig das Schlafzimmer seiner Eltern. Natürlich wird am Boden auf Matten gegessen. Unter der Küche ist dann der Stall wo Ziege, Kuh und Ochsen unterkommen, obwohl sie untertags eher im kleinen Garten sind, wo auch noch die Hühner und der Hund herumlaufen. Im anderen kleinen Haus sind drei Zimmer. In einem schläft Ramesh und sein Bruder (der auch in Kathmandu studiert) und in anderem seine Schwester und ich dann für diese Zeit. Im dritten Zimmer schlafen immer die Frauen, die gerade ihre Menstruation haben. Sie dürfen in dieser Zeit auch nicht die Küche betreten. Außerdem sah ich, dass seine Mutter Kuh- Urin (die Kuh ist ja heilig) am Ende ihrer Menstruation auf ihre gewaschene Kleidung spritzte.
Die Familie nahm mich sehr herzlich auf und sie waren alle sehr nervös eine Weiße bei sich zuhause zu haben. Seine Schwester konnte nicht recht gut Englisch (sie ist 19 Jahre alt und war erst einmal aus dem Dorf weg), doch sie vergaß einfach ihre Scheue und sprach eine Nepali- Englisch Mischung, es war so witzig. Jeden Abend lagen wir im Bett und lachte einfach über unsere Gespräche. Sie half mir sehr viel, zum Beispiel beim Duschen im Garten, Wäsche waschen etc. Außerdem rief sie nach mir immer mit „Didhi“ was große Schwester bedeutet. Ich hab sie so sehr in mein Herz geschlossen. Mit dem Vater von Ramesh kommunizierte ich eher wenig, obwohl ich immer wieder mitbekam, dass er viele Fragen über mich und Österreich stellte. Er arbeitet morgens und abends sehr hart. Untertags geht er einer Tätigkeit in einem Büro nach. Es anscheinend sehr niedrige Arbeit, aber er bekommt Geld und kann so seinen Kindern gute Bildung ermöglichen.
Was anfangs etwas verwirrend für mich war, war die Tatsache, dass Ramesh zwei Mütter hat. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber daran und freute mich einfach, dass es zwei Frauen im Haus gibt, mit denen ich zwar nicht reden kann, die mich aber immer liebevoll anlächelnden und mit denen ich schlussendlich einen guten Weg fand um zu kommunizieren. Wenn sie über mich redeten, dann sprachen sie immer von ihrer Tochter und am Schluss sagten sie sogar schon auf Englisch „my daughter“. Anfangs waren die beiden etwas scheu doch mit der Zeit lebten sie immer mehr auf und stellten 1000 Fragen über mich, ich bekam nur Teile davon übersetz, weil es so viele waren. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass immer nur über mich geredet wurde.
Besonders spannend war es dann auch, als wir am nächsten Tag im Dorf herumgingen. Zuerst besuchten wir das Reisfeld von seinen Verwandten (ich schlug das Getreide auf einen Stein, sodass die Körner herausfielen--- so eine harte Arbeit), dann gingen wir weiter und trafen überall Verwandte von Ramesh. Ich glaub echt, er ist mit dem halben Dorf Verwandt. Wir kehrten auch in viele Häuser kurz ein, weil jeder so neugierig war. Auch auf dem Weg riefe überall die Leute Ramesh etwas zu und sagten ein paar Fetzen in Englisch, wenn sie etwas wussten. Mit der Zeit wusste Ramesh bereits alle Antworten auf die Fragen und ich hörte immer nur Sathi (bedeutet Freund), Austria, College, Kathmandu usw.
Die ersten beiden Tage verbrachten wir die meiste Zeit in einem anderen Dorf, wo wir zu Fuß ca. eine halbe Stunde lang einen Hügel rauf klettert (Dipayal ist auf ALLEn seiten von grünen Hügel umgeben, es ist so wunderschön). In diesem Dorf war nämlich ein Cricketturnier im Gangen, bei dem auch Dipayal teilnahm und dann sogar am zweiten Tag das Turnier gewann. Es waren viele viele Menschen auf Sportplatz von den verschiedensten Dörfern rundherum, ich das einzige weibliche Wesen und noch dazu weiß. Ich kam mir teilweise etwas beobachtet vor, obwohl die meisten eh nur neben mir standen und mich anstarrten und nur wenige mich ansprachen. Am zweiten Tag durfte ich dann die Pokale und die Medaillen überreichen, weil ich es unbedingt tun sollte als Ehrengast. Den Preis für das Siegerteam überreichte dann jemand anderer, das war nämlich eine lebende Ziege. Ein echt toller Preis!!!
Wir gingen dann runter in unser Dorf und waren gerade voll im Freudenrausch über den Sieg. Da kam uns eine Ausländerin entgegen. Ich bin schon lange genug hier in Nepal, also musste ich natürlich auch fragen woher sie kommt. Hihi jaja eine Touristin aus dem Waldviertel. Ich musste echt etwas lachen und meine Freunde schauten, also ich da plötzlich mit ihr auf Deutsch herum quatschte und keiner etwas verstand. Zufälle gibt es… dort sind ja weit und breit keine Touristen, außer genau eine Österreicherin.
Aja am Vormittag gingen wir noch auf ein paar Hügel um Tempel anzusehen. Am Morgen war es noch etwas kühl, also nützten wir diese Zeit, denn zu Mittag war es dann schon etwas heiß.
Am Mittwoch war dann Familientag angesagt. Wir gingen um halb 8 in der Früh los, überquerten irgendwo den Fluss und wanderten dann eine halbe Stunde lang auf einen anderen Hügel rauf, wo Mitten im Wald das Dorf von Ramesh war, wo er bis vor 5 Jahren wohnte. Dort gibt es dann wirklich nichts mehr und das Leben ist noch einfach und schlichter. Seine ganze Verwandtschaft war dort. Die Frauen kochten alle fleißig und die Männer trafen sich in einem Raum, weil an diesem Tag für die Seele der Großmutter gebetet wurde, die schon vor einigen Jahren verstarb, aber zu der Zeit gab es kein Geld um Opfergaben für sie zu bringen. Am Vormittag ging ich mit den Mädls mal Wasser holen. Dort gibt es absolut kein Problem mit unreinen Wassern, weil alles direkt vom Hügel kommt. Später gingen wir zu einem schönen Platz beim Fluss und nahmen bei dieser Gelegenheit auch wieder Wasser mit. Die Frauen gaben mir ständig etwas zu essen, weil jeder dort immer glaubt, dass ich hungrig bin. Auch wenn ich nichts wollte, ich musste einfach Essen. Am lustigsten waren die Gespräche mit den alten Damen, da sie nicht verstanden, dass ich keine Ohrringe und keinen Nasenring habe. Ich war schon nahe dran mich einfach komplett durchlöchern zu lassen, damit sie zufrieden sind. Später gab es dann das richtige Essen (hatte zwar absolut keinen Hunger mehr, aber ok). Danach gingen wir und der Vater zurück. Die Mütter blieben noch dort zum Zusammenräumen zu helfen.

Jeden Abend saßen wir im Garten mit Freunden von Ramesh bei einem Feuer auf dem Fressen für die Tiere gekocht wurde. Außerdem besuchten wir zuvor immer noch einige Häuser von Onkeln und Tanten, weil wir ständig wo eingeladen wurden. Außerdem wurde es zur Routine, dass wir jeden Abend „meine Tochter“ besuchten. Ein 8- Monate altes Mädchen (seine Cousine oder sowas) die ich gleich am Anfang geschenkt bekommen hätte. (sie war nicht das einzige Kind, das ich mit nach Hause nehmen könnte).
Aja am Morgen um 6 Uhr wurden wir immer von einer Mutter geweckt… so hat man echt viel Zeit die schöne Morgenruhe zu genießen.
Übrigens ist Dipayal glaub ich der sicherste Platz den es gibt. Wie erwähnt rundherum nur Hügel und mittendrinnen das Dorf. Außerdem ist 300m von Rameshs Haus entfernt ein Polizeiausbildungszentrum für etwa 1000 oder mehr Polizisten. Es waren ständig irgendwo Polizisten unterwegs und um 6 Uhr in der Früh liefen etwa 30 beim Haus vorbei. Noch dazu ist gleich in der Nähe ein Lager von der Armee oder sowas, also liefen auch Soldaten überall herum.

Naja der Donnerstag begann dann leider schon recht früh um 4 Uhr mit Bauchweh. Ich übergab mich, bekam dann im Laufe des Tages ordentlich Fieber und schlief fast den ganzen Tag. Ich wurde nur immer wieder munter, weil mich jemand besuchen kam und mit besorgtem Blick fragte, wie es mir geht. Den ganzen Tag verbrachte ich im Haus ohne etwas zu essen. Ich bekam Tabletten vom Arzt aus dem Dorf, nahm irgendwelches Zeug, das aussah wie Erde und bekam viel Liebe zu spüren. Es war erstaunliche wer mich aller besuchen kam, obwohl ich erst 4 Tage dort verbrachte. Ich war echt kraftlos und schlief immer sofort wieder ein, wenn ich alleine war. Am Abend rief mich dann Ramesh zu seinen Vater. Später erfuhr ich, dass sie glaubten, dass ein Geist (bzw. der Teufel) in mir sind, also schüttelte der Vater meinen Kopf irgendwie und gab mir verzaubertes Wasser zu trinken. Somit war der Geist hoffentlich weg.
Da ich wahrscheinlich doch eher starke Medikamente gegen das Fieber bekam schaffte ich es am Abend etwas zu essen. Am nächsten Tag schlief ich dann auch noch recht viel, aber aß regelmäßig, damit ich wieder zu Kraft komme.
Am Abend machten wir dann einen Spaziergang um meinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Überall auf den Wegen winkten mir Menschen zu und fragten mich ob ich wieder gesund bin, wie es meinen Bauch geht und freuten sich, dass ich wieder unterwegs bin. Echt erstaunlich, dass jeder wusste, dass ich krank war und alle so besorgt waren.
Am Samstag war dann auch schon der letzte Tag, doch wir hatten viel vor. Schon bald in der Früh bestiegen wir einen anderen Hügel und gingen dann einen Weg zum Fluss. Dort waren schon die Cricket Mannschaft von Ramesh und wusch die zerlegte Ziege im Fluss. Sehr spannend was ich da alles zu sehen bekam. Die Ziege wurde dann gekocht und später, als noch viel mehr Menschen aus dem Dorf da waren, verspeisten wir sie gemeinsam. Ein total gemütlicher Tag auf diesem schönen Plätzchen. Am Nachmittag ließ dann meine Kraft etwas nach also gingen wir langsam zurück, aber nicht nach Hause sondern wieder zu Verwandte von Ramesh, die uns zum Abendessen eingeladen hatten.
Somit war schon der letzte Tag vorbei. Am Montag in der Früh bekamen wir von den Müttern wieder roten Reis (Tikka) als Segen auf die Stirn und wir gingen zum Bus. Der kam dann auch eher recht pünktlich wir stiegen gemeinsam mit einigen Freunden von Ramesh ein. Die ersten sieben Stunden schlief ich fast nur, weil ich noch sehr Bauchweh hatte und mit schlechten Magen die kurvenreiche Strecke fast nicht auszuhalten ist. Irgendwie verschlief ich eigentlich die meiste Zeit und diesmal war die Fahrt auch nur 26 Stunden lang.
Doch es wäre keine Busfahrt in Nepal, wenn es nicht wieder verrückte Dinge gibt. Nach etwa 6 Stunden Busfahrt saßen wir nämlich plötzlich zu dritt auf zwei Sitzen. Nach einer Stunde fragte ich dann mal nach und sie erklärten mir, dass sie das immer so machen, weil es lustiger ist. Naja ich erinnerte mich dann die nächsten 20 Stunden lang immer wieder, dass wir ja so eng sitzen, weil es schöner ist, somit fand ich es dann auch einfach lustig.
Die Fahrt hatte eigentlich einmal eine längere Unterbrechung. Der Grund war, weil ca. 20 Ziegen mit nach Kathmandu fahren wollten. Sie wurden dann alle auf das Dach zu unserem Gepäck gehoben und begleiteten uns die ganze Nacht durch mit ihrem Gesang. Nur einmal mussten wir anhalten, weil plötzlich zwei Hinterhaxen von einer Ziege beim Fenster reinschauten. Sie wurde wieder raufgehoben und weiter gings. Übringens verloren wir keine Zeit, weil wir Ziegen am Dach hatten… es ging mit demselben Tempo über die teilweise sehr uneben Straße. Gut, dass ich keine Ziege bin.
Um 12 Uhr kamen wir dann schon in Kathmandu an und bald war ich in meinem Hostel. Ich bin noch immer die einzige Studentin dort und nichts hat sich verändert. Ich war fertig, hatte Bauchweh und war sehr traurig, dass ich nicht mehr in DIpayal bin. Ich verbrachte den ganzen Tag mit Schlafen.

Es war eine so wunderschöne unglaubliche Zeit dort. Die Natur, die Menschen, die Traditionen… nicht alles ist gut dort, das Leben ist oft hart und schwer, aber es gibt so viele erhaltene Schätze dort, und Menschen, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind. Es ist fast unvorstellbar, dass es diesen Ort wirklich auf der Welt gibt. Ich versuche nun einfach, dass ich in meinem Herzen das Erlebte weitertrage und die Ruhe und Stille dieses Ortes in meinen Alltag umsetzen kann.

Einer der ersten englischen Sätze von Rameshs Schwester war „I love my Dipayal“. Ich auch!!! 


Naja morgen geht’s ab das erste Mal zu meinem neuen Praktikumsplatz und am Sonntag dann wieder ins College. Sodala aber geht’s geht ich mal und treffe meine Freunde aus Dipayal in Kathmandu. Erinnerungen sind einfach was Schönes!!

Samstag, 1. Oktober 2011

Alltag kehrt ein

In den letzten zwei Wochen ist nun mal so etwas wie Routine eingekehrt und ich habe eigentlich alles organisatorische vorerst mal geklärt, ein gutes Gefühl.

Naja, wie sieht so ein normaler Tag so aus bei mir:
6.00 ist Tagwache, da bekomm ich dann Tee und Kekse und dann geht’s ab 25 min Fußmarsch aufs College.
7.00 Ich komme eh im College an (das um 7 Uhr beginnt) und bin die zweite Studentin, nur ein Studienkollege kommt immer um 10 vor 7, keine Ahnung was ihn dazu treibt.
7.20 schön langsam kommt die erste Lehrerin auch mal an, die family und social work unterrichtet. Eigentlich ein sehr interessantes Fach, aber mit vielen Referaten.
8.10 Nachdem sich noch ein paar Kollegen zu uns gesellt haben beginnen wir mit Research (dort lernen wie die Grundlagen, wie wir unsere Bachelorarbeit schreiben sollen), also echt auch wichtig für mich. Die Research Tante hat mich gleich am zweiten Tag gefragt, ob es mir leicht zu schwer ist und ich nicht mitkomme, ich hab ihr dann mal erklärt, dass des alles schon a bissl a Orientierungsphase braucht, wenn ma sich auf ganz viele neue Sachen (Sprache, Lehrer, Fächer, College, Lehrmethoden etc.) einstellen muss. Sie hat dann mich immer wieder im Unterricht Fragen gestellt, damit sie schauen kann, ob ich wirklich nicht zu dumm dafür bin. Das Ganze hat nur ein Problem: sie spricht prinzipiell auf Englisch, außer sie erklärt etwas, dann wechselt sie auf Nepali. Also ich weiß immer um was sie gerade erklärt, aber die Erklärung verstehe ich nicht. Also nachdem sie lange auf Nepali etwas erklärt hat, kommt dann die Verständnisfrage für mich wieder auf Englisch, vollkommend aus dem Zusammenhang gerissen für mich. Naja ich hab ihr mal versucht zu erklären, dass ich mir auf Nepali schon etwas schwer tue, naja. Von meiner ersten Prüfung, die ich ja gleich am zweiten Tag bei ihr ablegte, war sie sogar positiv überrascht.
9.00 eine halbe Stunde Pause (ja eine halbe Stunde ist echt ein dehnbarer Begriff)
9.45 geht’s dann für die Hälfte der Anwesenden (die Anderen verlängern ihre Pause meist noch um eine viertel bis halbe Stunde) weiter mit Rural and Urban community development (die Entwicklung der ländlichen und städtischen Bevölkerung). Ein äußerst spannendes Thema, besonders auf Nepal bezogen. In diesem Fach hatte ich diese Woche meine erste Präsentation über Consequences of rapid urbanisation (Konsequenzen der schnellen Verstädterung). Ja hat mir keiner dort zugetraut (so wie vieles nicht), dass ich ein Referat schaffe. Da habens etwas geschaut, wie ich so präsentiert habe, ohne auf meinem Plakat den ganzen Text stehen zu haben und alles herunter zu lesen (so wie meine lieben nepalesische Kollegen). Sogar der Direktor kam extra zuhören und war begeistert, und meine Lehrerin sagte auch nur, dass sie vollkommend zufrieden ist. Ja hat mir gut getan.
10.40 kommt dann eigentlich die Leiterin (eigentlich keine Ahnung was ihre genaue Position ist) des Colleges und wir haben developing communication (bildende Kommunikation oder so)- hab bis heute nicht kapiert was der Sinn dahinter ist. Wir haben außerdem erst eine Stunde dieses Faches gehabt, dafür schon 1000 Arbeitsaufträge (Plakat, Magazin, Broschüre herstellen etc.).
11.30 geh ich dann, wenn nicht wie meistens noch was Organisatorisches geklärt gehört, zurück in mein Hostel, esse dort meinen Reis mit Erbsensouce (natürlich mit der Hand mhh)
Ja so sieht meist mein Collegetag aus, bzw. so ist mal der Plan, obwohl sich eh immer irgendwas anders ergibt
den Nachmittag verbringe ich mit Arbeiten für die Schule, lesen, Gesprächen, Wäsche waschen usw.
dann um ca. 19.10 gibt’s wieder lecker Reis mit Erbensouce und meistens Gemüse und dann…. ja man glaubt es kaum, aber zwischen 21 und 22 Uhr liege ich immer im Bett.
Dieses bald- ins- Bett gehen ist eine meiner neuen ungewöhnlichen Angewohnheiten. Gestern wär ich sogar schon fast um 20.15 gegangen, aber das schien mir doch zu bald.
Noch eine andere ungewöhnliche Angewohnheit ist, dass ich eigentlich jeden Tag die Erste am Morgen bin, die aufsteht, sogar schon an freien Tagen zwischen halb 7und halb 8. Ich habe Gefallen gefunden an den Morgenstunden.
Was noch etwas Sonderbar ist, mir macht das Wäsche waschen mit der Hand zurzeit echt Spaß. (liebe Mama bitte lies diese Zeile nicht, ich will nicht, dass es irgendwelche ungewollten Nachwirkungen mit sich zieht). Aja und im letzten Bericht wirkt es so, als würde ich nicht Wäsche waschen können. Ich hab schon einen Plan wies geht, aber jede Hausfrau (und so auch die Betreuerin in meinem Hostel) hat da einfach die eigenen Vorstellungen, und die sind die einzigen richtigen.
Außerdem hab ich noch eine neue absolute Lieblingsbeschäftigung gefunden. Doch darüber werde ich mal extra was schreiben.
Eine weitere Veränderung ist, dass ich zum absoluten Tierfreund geworden bin, nicht das ich sie vorher nicht mochte, aber jetzt hab ich echt eine enge Beziehung aufgebaut:
Ich freu mich immer wieder über Besuch von Geckos in meinem Zimmer, die schnell mal „Hallo“ sagen. Meine täglichen Begleiter die Kakerlaken würde ich vermissen, wenn sie nicht in meinem Zimmer wären (außer wenn sie in meinem Kleiderkasten sind, bin ich meist nicht so erfreut, aber oft chancenlos). Und hin und wieder ein Überraschungsbesuch einer Maus, lässt mein Herz höher schlagen. Mit den Spinnen und Ameisen hab ich leider noch nicht so engen Kontakt aufgenommen, weil sie einfach zu viele sind um persönliche Gespräche aufzubauen.
Aber den engsten Draht habe ich zu den Hunden in der Nachbarschaft. Sie sind wirklich treue Freunde geworden. Egal um welche Uhrzeit ich ins Bett gehe (es ist schon auch vorgekommen, dass es ein oder zweimal halb 11 war), die Hunde sind startklar und sobald ich im Bett liege und das Licht abdrehe beginnen sie mir jeden Abend eine ewig lange lautstarke Gute- Nacht- Geschichte zu erzählen, in verschiedenen Tonlage, damit es spannend bleibt. Meistens schlafe ich dann doch irgendwie mitten in der Geschichte ein. Aber auf meine Freunde ist Verlass, entweder sie wecken mich mitten in der Nacht noch einmal auf um weiterzuerzählen, aber das nur manchmal. Jedoch kann ich mich gewiss darauf verlassen, dass sie schon wieder lautstark weitererzählen, wenn ich in der Früh munter werde.
Ich mag solche treuen Tierfreundschaften.

Aja bei meinem Tagesablauf hab ich ganz vergessen zu erwähnen, dass ich ja nur drei Tage in der Woche (So, Mo, Di) am College bin. Die anderen Tage (Mi, Do, Fr) arbeite ich in einer Organisation mit. Letzte Woche wurde mir dann schon eine Organisation zugewissen, in der ich dann die drei Tage verbrachte. Es ist ein Waisenhaus für 9 Kinder. Klingt ja sehr spannend. Als ich dann dort ankam waren nur zwei Kinder da. Ich fragte, wo die anderen seien- ja natürlich in der Schule. Ich vergaß ganz darauf. Die Kinder sind also von 9 bis 16 Uhr in der öffentlichen Schule und ich von 10 bis 17 Uhr bei ihnen in der Organisation um mit ihnen zu arbeiten. Ups, da geht sich irgendetwas nicht so aus… als ich die Verantwortlichen dort ansprach meinte sie, dass es soviel zu tun gibt… kochen, putzen, Wäsche waschen, Garten arbeiten etc. Klingt ja mehr nach Hauswirtschafts- Praktikum als sozial Arbeiter.
Nach eine Gespräch in meinem College werde ich nun nur meine Ferien dort verbringen und aber eine neue Organisation suchen. Diese Woche hab ich dann wieder ein paar angeschaut. Ein Direktor war sehr nett und hätte mich gerne dort gehabt, aber er hat gleich angefangen, dass die Bücherei sortiert gehört usw. Naja ich werde wohl dort ein paar Nachmittag verbringen.
Und dann endlich fand ich die perfekte Organisation. Dort sind 50 Kinder, die körperlich und /oder geistig beeinträchtigt sind. Sie werden dort unterrichtet und gefördert. Genau das was ich wollte, und das Wichtigste, es ist ein Platz, wo ich auch meine Fähigkeiten als Sonderschullehrerin verbessern kann (das ist ja irgendwie der Sinn von einem Praktikum, für das ich Kredits bekomme).
Am 2. Nov gehts dann dort los, bin schon gespannt.
Ja ich war ja jetzt schon eineinhalb Wochen im College, darum hab ich mir meine Ferien reichlich verdient. Es sind nämlich jetzt bis 2. Nov Ferien, weil zwei große hinduistische Feste sind. Ich hab mir aber vorgenommen, dass ich viel Zeit im Waisenhaus verbringen werde. Derzeit schaut es aber auch so aus, als könnte ich vielleicht ein Dorf besuchen fahren. Mal sehen, in Nepal ist eh nichts planbar.

Ui es gibt immer so viel zu erzählen.
Also ein Punkt noch: meine Hostel- Familie
Ich bin ja nicht mehr bei meiner Gastfamilie sondern seit zwei Wochen in einem Studentenheim (Hostel) für Mädchen. Das lustige ist, ich bin derzeit noch die einzige, die anderen kommen erst nach den Ferien.
Doch ganz alleine bin ich ja nicht, neben meinen tierischen Freunden, habe ich noch 3 weitere Wegbegleiter. Aus psychologischer Sicht ist unsere Zusammenstellung äußerst interessant.
Mit der Betreuerin im Hostel verstehe ich mich sehr gut. Wir haben schon viele sehr gute Gespräche geführt und können uns gegenseitig alle Fragen stellen, die wir schon immer über die andere Kultur wissen wollten, echt schön. Sie hatte nur leider bis jetzt schon ein sehr schwieriges Leben mit vielen sehr schockierenden Erlebnissen. Das meiste davon konnte sie noch nicht verarbeiten. Ich bin jetzt eine große Ansprechpartnerin für sie, was ich sehr gerne mache, wobei es aber etwas schwer fällt, mich manchmal davon abzugrenzen.
Dann ist ihr 15-jährige Sohn bei uns im Hostel, der sowas von nett undhöflich ist. Er hat leider sehr schwierige Jahre hinter sich, in denen ganz viel falsch gelaufen ist. Darum hat er auch all seine Freunde und Bezugspersonen verloren. Die einzige Person, die er hat, ist seine Mama, an der er natürlich viel Frust auslässt. Seit ich nun da bin, führen wir viele Gespräche, er erzählt mir Sachen, die er mit seiner Mama halt nicht besprechen will, und wir haben ein gutes freundschaftliches Verhältnis.
Und dann ist noch eine 35-jährige da, die gerade versucht wieder Visum für Israel zu bekommen, weil sie dort gearbeitet hat und wieder arbeiten will. Es ist sehr schwierig und sie steht ständig unter Anspannung, weil ihr ganzes Leben gerade von der Entscheidung der Botschaft abhängt.
Alle von uns haben ein eigene Zimmer derzeit noch, aber jeden Abend geht meine Zimmertür auf und die 35- jährige kommt herein, und fragt mich, ob sie wieder bei mir schlafen darf, weil alleine hat sie Angst. Am Morgen verschwindet sie dann wieder in ihr Zimmer.

Ja eine ganz spannende Zusammensetzung hier. Teilweise sehr kräfteraubend für mich, andererseits hab ich echt meinen Platz in dieser Gruppe gefunden und wir sind fast wie eine kleine Familie, ich genieße es sehr.



Also zusammenfassend: Mir geht es recht gut hier. Ich wanke zwischen Chaos, Überforderung, absolute Hilfsbereitschaft, Orientierung finden, zuhause fühlen, Routine etc. herum und bin sehr sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen kann.

Aja ziemlich am Anfang meiner Nepal Zeit wurden wir von einem Erdbeben ueberrascht. Es war spannend sowas mal zu erleben, aber es war eigentlich schon recht lange und min eine Minute lang. Ich hab eine halbe Stunde gebraucht bis ich mich wieder erholt habe, weil alles weiter geschuettelt hat und mir auch noch irgendwie schwindlig war.
Ich bin in einer schmalen Gasse zwischen hohen Haeusern gestanden und hab sie angeschaut, in der Hoffnung, dass sie nicht umfallen.
In meiner Gegend ist nichts schlimmes passiert, aber gleich um die Ecke von meiner Gastfamilie sind 3 Menschen gestorben (die Mauer der englischen Botschaft ist umgefallen). Es hatte doch mehr Auswirkungen als wir anfangs dachten, aber wenn es etwas staerker gewesen waere... ich will garnicht wissen was dann noch alles passiert waere.

Ja also so viel solange von mir. Wie geht’s euch zuhause? Was tut sich? Welche Veränderungen gibt es? Ich freue mich immer wieder über Nachrichten von zuhause.
Es ist zwar spannend, dass ich dieses Abenteuer hier ganz alleine mache, aber vermissen tue ich euch schon teilweise sehr.

Allen Studenten wünsche ich einen guten Start ins neue Studienjahr. Ich werde an euch denken (besonders jetzt bei eurem Studienstart und meinem Ferienbeginn).

Derzeit noch viele sonnige Grüße aus Nepal

Sonntag, 18. September 2011

Erste Tag im College

Nachdem ich die ersten unruhige Nacht (begleitet von Hundegebelle u.ä.) in meinem neuen Zuhause verbracht habe, machte ich mich heute um 6.15 Uhr auf den Weg ins College. Ich wusste ca. den Weg. Nach 20 Minuten Fußmarsch, knapp vor dem Ziel, wählte ich die falsche Straße und suchte vergeblich nach meinem College. Nach einer Weile bemerkte ich meinen Fehler und rief eine Lehrerin des Colleges an. Ich gab dann mein Handy zu jemandem auf der Straße und sie erklärte ihm meinen Weg und er zeigte ihn mir dann. Schlussendlich, nach einigem Umweg, kam ich um 10 vor 7 Uhr an. Ich war zufrieden, weil um 7 Uhr der Unterricht beginnt, also dachte ich, dass ich gut in der Zeit bin …….. falsch gedacht!!!!!!!!!! Ich betrat das College und fand dort in der Bücherei eine Dame, sonst niemanden. Ich war also der erste Schüler, der das College an diesem Tag erreichte. Um 7 Uhr kam dann die Lehrerin, die für mich verantwortlich ist und ein, zwei weitere Studenten trafen ein. Sie stellte mir einen Studienkollegen von mir vor, mit dem ich dann eine Weile sprach, während er an dem Plakat für seine Präsentation in der ersten Stunde fertig schrieb. Meiner Meinung nach etwas spät, wenn er um 5 nach 7 Uhr noch an dem Plakat schreibt, dass für seine Präsentation ist, die um 7 Uhr beginnt. Später stellte sich heraus, dass er der absolute Vorzeigestudent ist, weil er überhaupt sie Sachen für seine Präsentation am richtigen Termin mitbrachte, außerdem kam er schon um 7 Uhr, also sehr sehr pünktlich. Irgendwann so um 7.15 Uhr suchte uns dann die Lehrerin, mit der ich vorher telefonierte, und sie sagte uns, dass der Unterricht (mit eh nur 15 Minuten Verspätung) nun beginnt. Wir gingen in den Klasseraum und drei motivierte Studentinnen warteten dort schon. Also konnte der Unterricht beginnen. Im Laufe der Stunde trafen noch zwei weitere ein. Am Ende der zweiten Stunde waren wir schon stolze 11 Studenten (von 24). Nach der Pause starteten wir dann wieder zu fünft, zwei weitere kamen etwas verspätet aus der Pause und schlussendlich kamen dann noch die restlichen 4 mit nur 30 Minuten Verspätung, aber sie waren da.

Ja macht schon Spaß in so einem nepalesischen College, wo die Disziplin spannend ist. Eine Lehrerin hat gemeint, sie wollen sich ein Vorbild an Österreich nehmen, wo es anscheinend anders ist. Ich bin gespannt, ob ich morgen um 7 Uhr (wird natürlich auch nicht früher hingehen), wieder die einzige bin.
Der Unterricht war ganz spannend, teilweise sehr auf Sozialarbeiter bezogen, was mich eigentlich sehr interessiert. Prinzipiell halten sie sich auch gut daran, dass Englisch gesprochen wird, außer eine Vortragende gab nach 5 min auf und zog die restliche Stunde mit Nepali durch, obwohl alle recht gut Deutsch könnten.

Naja nach 4 Stunden war der Tag vorbei, ich ging in mein Hostel und genoss meinen Reis mit Souce.

Anschließend ging ich das Vorhaben Wäsche waschen an. Die Betreuerin vom Hostel sah mir kurz zu, aber hielt es nicht aus, also zeigte sie mir dann, wie ich es machen soll. Sie erklärte mir alles so lange, bis meine gesamte Wäsche sauber. Also könnte passieren, dass ich mich nächstes Mal nochmal blöd stelle ;-) nein Scherz, es ist schön mit der Hand zu waschen, mal eine andere Erfahrung.
Aja übrigens bin ich die einzige Studentin hier gerade. Hab ein drei-Bett-Zimmer alleine. Aber in einem Monat kommen die anderen. Außerdem ist die Betreuerin extrem nett, sie ist auch der Hauptgrund warum ich mich so schnell für das Hostel entschieden habe. Gestern am Abend hat sie mir erzählt, dass sie diesen Job kündigen will und vielleicht bald geht. Ja super, wiedermal wird alles anders und chaotisch, aber ok. Hoffentlich entscheidet sie sich noch anders, oder sonst kommt hoffentlich schnell jemand nach, sonst bin ich wiedermal Obdachlos, aber ich bin zuversichtlich.

Etwas chaotische Grüße aus Nepal

(Aja neben dem ganzen Chaos sei noch erwähnt, dass es mir sehr sehr gut geht und ich mich wohl fühle. Außerdem wachse ich an jeder Herausforderung ein Stück )

Nepal- chaotisch but nice

Mittlerweile bin ich schon seit 2 Wochen in Nepal. Ich hatte diese zwei Wochen Begleitung von Elena, einer Österreicherin, die letztes Jahr hier 6 Monate lang studiert hat. Außerdem bekam sie besuch von 3 Freunden aus Österreich, also hatte ich ca. 10 Tage absolut touristisches Programm. Somit hab ich von Kathmandu schon die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen.


Am Dienstag war ich dann das erste Mal im College und hab mich mit der Verantwortlichen getroffen. Wir haben mal einen Stundenplan für mich zusammengestellt. Ich habe pro Tag 4 Stunden mit den Studenten des 4. Semesters. Aber sie sind schon mitte drinnen im Semester, also werde ich einfach mitten drinnen einsteigen. Mein Stundenplan gilt aber jetzt mal nur bis Mitte November. Weil ab dann fängt bei ihnen das neue Jahr an. Aja und jetzt sind dann mal ganz viele wichtige Ferien hier. Also ich komm echt im richtigen Moment daher, was das Studium betrifft. Naja bin schon gespannt.


Diese Woche hab ich einige Organisationen angeschaut, bei denen ich vielleicht mitarbeiten kann. Da gibt es schon einige spannende. Hoffe es wird bald mal was, dass ich dort anfangen kann.




Ja und letzten Sonntag am Abend bekam ich eine spannende Nachricht: Ich kann aus verschiedenstene Gründen nicht mehr bei meiner Gastfamilie bleiben. Einerseits, weil sie während der kommenden Festtage nicht da sein werde. Außerdem werden sie die Küche renovieren und mein Zimmer ist in der Zwischenzeit die Küche. Dazu kommt, dass die Gastmutter gerade krank ist und sie wissen nicht sicher, ob es etwas ernsthaftes ist.


Ja war anfangs ein bisschen ein Schock für mich. Mittlerweile hab ich ein echt nettes Studentenheim und werde in wenigen Stunden dorthin umziehen. Ich werde mir dort mit 3 Mädchen ein Zimmer teilen und das Badezimmer ist am Gang. Aber das ist absolut ok für mich, ich will es eh einfach haben. Doch bin schon gespannt wie das so werden wird.



Naja also heute Umzug, morgen ersten Tag im College, dann noch Projekt suche und mein Leben hier wird schön langsam etwas geregelt und alltäglich.



Aja das Land, die Leute... alles eigentlich sehr ädnlich wie in Indien, und doch wieder ganz anders. Man kann es nnur schwer vergleichen. Aber für mich ist irgendwie alles sehr normal und ich fühl mich wohl.


Doch darüber ein anderesmal mehr. Ich muss jetzt mal meinen Koffer packen.


Ganz liebe Grüße aus Nepal!!

Montag, 5. September 2011

Die letzten Tage in Indien - die ersten Tage in Nepal

Mittlerweile hab ich die letzten Tage in meinem Projekt in Indien Visakhapatnam verbracht. Am Mittwoch stand ich um 5 Uhr auf um nach Sabbavaram in das Projekt unter Palmen zu fahren, um einen ganzen Tag mit den Jungs zu verbringen. Ich hab ganz viel Cricket gespielt und wir hatten eine schöne Zeit.
Am Donnerstag stand ich dann noch etwas früher auf und ging im strömenden Regen zum großen Busbahnhof, erst auf halben Weg kam endlich ein Outo, das mich mitnahm. Ich fuhr dann mit dem Bus nach Narsipatnam, in ein Dorf am Fuße des Berges, auf dem ich schon zweimal mehrere Bergdörfer besucht habe. Dort in Narsipatnam gibt es Salesianer, die verschiedene Projekte aufgebaut haben, unter anderem ein College. In diesem College sind nun zwei Burschen, die früher im Shelter bzw. in Sabbavaram waren. Der ehemalige Shelterburschen war an diesem Tag auch da und wir hatten sehr viel Zeit miteinander zu reden und er zeigte mir sein College und vieles andere. Er hat keine Familie mehr, also war mein Besuch irgendwie wie so, wie ein Besuch der Familie und das war für uns beide wunderschön. Am Vormittag zeigten sie mir das Haus eines Mitarbeiters, dann ginge wir ins Nachbarhaus Kuchen anschneiden, weil ein kleiner Junge Geburtstag hatte und dann besuchte ich auch noch einen wunderschön geschmückten Tempel mit Ganeshstatue, weil gerade dieses große Fest ist. Die Zeit verging sehr schnell und ich entschied mich dort zu übernachten, da es wegen dem Fest recht unruhig war auf den Straßen. Ich verbrachte die Nacht also im Mädchen- Hostel, die sich auch sehr darüber freuten.
Am Freitag stand ich dann um 4 Uhr auf, damit ich rechtzeitig um 7.15 in Visakhapatnam bin, da die Messe dort für mich gehalten wurde. Ich schaffte es dann auch dorthin mit 5 Minuten Verspätung, dank der indischen Pünktlichkeit.

Nach Messe und Frühstuck ging ich mich in die Schule verabschieden. Den Nachmittag und Abend verbrachte ich im Shelter und die Nacht dann mit packen, putzen etc.
Am Samstag wieder um 5.30 aufstehen, packen, verabschieden, Abflug. Dann hatte ich einen Tag Aufenthalt in Delhi, in einem wunderschönen beeindruckenden Don Bosco Projekt. Nach einer kurzen Nacht stand ich wieder um 4 Uhr auf, ab zum Flughafen und ich saß im Flieger nach



NEPAL

Das Wetter meinte es recht gut mit uns, obwohl es in Delhi zuvor stark geregnet hatte. Wir hatten vom Flieger aus einen gigantischen Blick auf das Himalayagebirge. Alles war mit Wolken bedeckt, die von der Sonne beschienen wurden und dahinter sah man die mit Schnee bedeckten Berggipfel, traumhaft. Später konnten wir auch noch auf das grüne hügelige Land von Nepal einen Blick werfen. Am Flughafen wurde ich dann von Elena (die Studentin die letztes Wintersemester hier war) abgeholt und nach Hause gebracht. Die Umgebung hier sieht eigentlich teilweise wie Indien aus und doch wieder oft ganz anders. Das Haus in dem ich wohnen werde (bei der Gastfamilie) ist wunderschön, hat drei Stockwerke und natürlich ein Flachdach. Derzeit teile ich das Zimmer, das später mir gehören wird, mit einer Engländerin und der Elena. Das Zimmer ist zum Glück ganz einfach eingerichtet, eine Matratze am Boden, ein kleiner Tisch und eine Couch und das wars. Aber derzeit lebe ich noch aus meinem Rucksack.

Die Gastfamilie hat einen Sohn und eine Tochter. Beide sind glaube ich älter als ich. Die Tochter arbeitet in dem College in das ich dann gehen werde, dadurch lässt sich vieles leichter organisieren, obwohl ich nicht weiß ob es überhaupt mal einen Plan für mich gibt. Anscheinend beginnen die Semester alle ganz verschieden, und im Oktober, November sind ganz viele Feste usw.
Naja die Elena hat heute Besuch bekommen, also werden wir jetzt mal eine Woche fort fahren und noch etwas touristisches Programm machen. Danach werde ich noch intensiv Training im Umgebung- Erkunden machen, damit ich mich bald alleine zurecht finde. Da das College anscheinend noch nicht so bald irgendein Programm für mich hat, werde ich mich bald mal nach einer Organisation umschauen, bei der ich vielleicht etwas mitarbeiten kann oder so. Naja und eigentlich nervt mich, dass ich nicht Nepali kann, weil ich es in Vizag schon so genossen habe, etwas Telugu sprechen zu können. Doch prinzipiell bin ich erst eineinhalb Tage da, also hat eh alles noch etwas Zeit, doch meine Motivation ist groß.

Ich hab schon einige Erzählungen gehört, dass es im Winter sehr kalt wird und ständig Stromausfall ist usw. Jaja bin schon sehr gespannt was noch alles auf mich zukommt.


Hoffe euch zuhause geht es allen gut. Ich freu mich immer wieder über e- mails und es schaut garnicht so schlecht aus mit der Möglichkeit, sie auch hin und wieder zu beantworten.


Also erstmal ganz liebe Grüße aus Nepal!


Martina

Mittwoch, 24. August 2011

Back in Indien

Nun ist schon wieder ein Jahr vergangen, seit ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben habe, ja ein Jahr in Österreich. Diese Zeit war anfangs nicht so leicht, weil ich so viel erlebtes zurücklassen musste und wieder mich zurecht finden musste, doch mit der Zeit, besonders am Schluss, hab ich Österreich wieder lieben gelernt wie zuvor. Danke an meine Freunde und Familie für eure Unterstützung dabei 

So naja und damit ich mich ja nicht zu wohl fühle, bin ich am 13. August nach Indien wieder aufgebrochen.
Nachdem ich am Flughafen in Dubai mit w-lan 5 Stunden verbracht hatte, landete ich am 14. August in der Früh am Flughafen in Hyderabad. Die Bettina (die mit mir das freiwillige soziale Jahr verbracht hat) war schon eine Weile in Indien, also holte sie mich vom Flughafen ab und wir verbrachten einen gemeinsamen Tag in Hyderabad. Es war ein gutes Gefühl wieder indische Luft zu riechen, Telugu zu sprechen und viel Vertrautes wieder zu erkennen. Die Nacht verbrachten wir dann im Zug und den 15. August (Independenceday) verbrachten wir in Vijayawada mit vielen anderen Volontären. Wir machten dort auch ein Programm für einige Burschen.
Dann am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Bettina und den anderen Volos und machte mich auf die Reise nach Visakhapatnam, die Stadt in der ich ein Jahr gelebt habe. Im Zug kamen verschiedenste Gefühle in mir hoch. Einerseits die Vorfreude die Menschen wieder zu sehen, mit denen ich ein Jahr gelebt habe. Andererseits war auch etwas Unsicherheit dabei, wie es sein wird.

Am Bahnhof holte mich der Father ab und es war zu meiner Überraschung von Anfang an alles sehr sehr vertraut, so als wäre ich nie weg gewesen. Also der Schock, den ich eigentlich erwartet hatte, blieb aus. Viele erlebte viel Wiedersehensfreude und sah viele bekannte Gesichter. Es war auch wunderschön meine beiden Nachfolgerinnen, Fabiana und Christina, mit denen ich schon viele Telefongespräch führte, bei ihrer Arbeit zu sehen und mit ihnen gemeinsam hier zu leben.

Das Essen, die Menschen, die Atmosphäre, der Dreck auf der Straße (hauptsächlich von der Stahlfabrik), die Straße, die Verkäufer in den kleinen Geschäften… alles ist noch wie vorher und so viele erkennen mich wieder oder wissen sogar noch meinen Namen. Aja und nebenbei erwähnt, sogar mein Telugu ist noch genauso wie vorher, bin stolz drauf, dass ich halbwegs kommunizieren kann 

Im Shelter hat sich einiges geändert, es sind ganz viele neue Gesichter. Doch die Stimmung hat sich um so viel verbessert. Die gemeinsame Zeit ist sehr locker und ungezwungen und gibt mir und den Burschen viel Halt. Obwohl ich hier eigentlich auf Urlaub bin verbringe ich so gut wie jede freie Minute mit ihnen. Für mich einfach unvorstellbar schön.

Doch die allerschönsten Momente erlebte ich jedes Mal auf dem Schulweg, den ich nun schon einige Male ging. Ich treffe dort viele viele ehemalige Schüler von mir, die mich schon von der weitere erkennen und rufen „Martina Sister“ und dann auf mich zu laufen und mir in die Arme fallen. Und das allerschönste ist hier Gewand... sie alle tragen nämlich eine Schuluniform einer öffentlichen Schule und sie begegnen mir auf den Weg dorthin. Für alle die nicht so genau Wissen in welcher Art von Schule ich unterrichtet habe… es ist das Ziel der Schule, dass die Kinder dann die öffentliche Schule gehen. Also jedes einzelne Kind, das mir auf dem Weg begegnet und nun schon 4 Monate oder meine alten Schüler eineinhalb Jahre die öffentliche Schule besucht, zeigt mir, dass meine Bemühungen und meine Nerven es wert waren. Ich bin so stolz auf die alle und sage ihnen es täglich, wenn ich sie wiedersehe. Und das schöne ist, sie sind selbst auch sehr stolz.

Natürlich gibt es auch Schüler, um die ich mich ein Jahr lange bemüht habe und jetzt seh ich wieder auf der Straße spielen oder im Haushalt arbeiten, aber zum Glück nur sehr wenige.


Ich ging nun schon zweimal mit der Lehrerin von der Schule mit in die Häuser der Kinder, wo sie nachfragt, warum die Kinder nicht in unsere Schule kamen, oder sie kontrolliert, ob sie eh noch brav in die öffentliche Schule gehen. Extrem spannend die Häuser der Kinder, aus dem sehr armen Viertel, zu sehen. Es ist jedoch immer wieder amüsant, wenn ein Kind fröhlich aus dem Haus springt und auf die Frage, warum es nicht in der Schule sei mit „Sister Fieber“ antwortet. Ja Fieber kann alles bedeuten, von wirklich Malaria- Fieber bis „mich freuts heute nicht- Fieber“. Aber Hauptsache die Kinder und ihre Eltern merken, dass es uns wichtig ist, dass sie die Schule besuchen.


Uiui das ist ja schon wiedermal jede Menge geworden.

Also mir geht es sehr gut, ich genieße die Zeit hier.

An Nepal denke ich schon etwas, aber eher nur sehr wenig. Manchmal macht mich die Ungewissheit etwas nervös, aber ich freu mich schon sehr auf die Herausforderungen, die dort auf mich warten werden.
Als am 3. September werde ich nach Nepal aufbrechen und dort am 4. September in der Früh ankommen. Von Indien weiß ich nicht, ob ich mich nochmal melde. Mal sehen.


Genießt noch die letzten Tage eurer Ferien und des Sommers.

Ganz liebe kunterbunte Grüße


Martina

Sonntag, 29. August 2010

Die letzten Stunden im Projekt

Es ist gerade 3 Uhr in der Nacht und eigentlich sollte ich schlafen, weil eine lange anstregende Reise auf mich zukommt. Aber es ist meine letzte Nacht in meiner gewohnte Umgebung und die will ich nicht versaeumen, ausserdem gibt es noch immer so viele Dinge die ich noch gerne erledigen will um hier gut abschliessen zu koennen.
Aber bevor ich ueber den Abschied schreibe, will ich euch noch kurz schildern, was in den letzten Wochen so los war:

Im letzten Blog hab ich euch von meiner lieben 1. Klasse berichtet, die ich abgelegt habe. Bereits am ersten Tag, als ich nicht mehr in die Klasse ging, waren die Gesichter der Kinder sehr traurig und ein Lehrer erklaerte ihnen, was der Grund ist, dass ich nicht mehr bei ihnen unterrichte. Nach der Stunde kamen sie dann alle zu mir und entschuldigten sich viele Male. Ich merkte in ihren Gesichtern, dass sie eine sehr wichtige Lektion bereits gelernt haben, aber ich wartete noch ein paar Tage ab. Dann uebernahm ich sie wieder. Ich fuehrte eine Smile- Liste ein. So bekam jedes Kind nach der Stunde in einer Liste einen lachenden oder einen traurigen Smile, natuerlich hebte es die Motivation sehr. Ausserdem haben sich auch viel verstanden und das Unterrichten war dann viel angenehmer.

In den anderen Klassen war das groesste Problem, dass viele Kinder in die Doerfer zu ihren Verwandten fahren. Sie fehlen dann oft 2-3 Wochen und versaeumen natuerlich wichtigen Unterrichtsstoff. Sonst bin ich sehr zufrieden mit meinen Klasse, da wir immer wieder verschiedenste Erfolgserlebnisse hatten. In den letzten Wochen war es teilweise wieder sehr heiss. Das macht es echt schwierig, dass sich die Kinder konzentrieren koennen. An solchen Tagen versuche ich dann durch verschiedene Spiele ihnen den Stoff zu vermittlen, sodass es ihnen leichter faellt.

Letzten Mittwoch hatten wir dann noch die abschliessenden Exams mit unseren Klassen gemacht. Die Ergebnisse waren fast alle ziemlich gut. Doch es ist immer wieder spannend zu sehen wieviel die Kinder dann wirklich wissen.

Naja und bald nach den Exams war dann auch schon der Freitag, unser letzter Schultag. Am Vormittag unterrichtet ich noch ganz normal,natuerlich ein bisschen freier als sonst. Am Nachmittag gab es dann in der Schule ein send- off Programm. Die Kinder tanzten und sangen fuer uns, wir sagten ihnen noch ein paar letzte Worte (auf Telugu  ) und sie schenkten uns Zeichnungen. Ausserdem sagten ein paar Kinder etwas ueber uns. Ueber mich sagte ein 1. Klaessler etwas. Seine letzten Worten waren „Ich bin sehr traurig, weil die Sister geht“, und dann brach er in Traenen aus. Doch am meisten weinte der Bursche aus der 1. Klasse, mit dem ich mich am meisten aergern musste doch zu dem ich vielleicht gerade dadurch eine so enge Beziehung aufgebaut habe.
Doch beim Abschiedsprogramm waren nicht nur unsere Schueler, sondern auch unsere alten Schueler. Schoen zu sehen, dass sie alle kommen um sich von uns zu verabschieden. Ein Bursche erzaehlte uns, dass er bei den letzten Pruefungen der Beste seiner Klasse war, und ein anderer ehemaliger Schueler war Zweiter. Ich bin richtig stolz, dass unsere Schueler so gut sind.

Weiters hatten wir schon am Donnerstag ein Abschiedsprogramm mit vielen Taenzen in Sabbavaram. Es war wunderschoen nochmal alle Burschen zu sehen und es war sehr schwer sich von ihen zu verabschieden, weil doch eine enge Beziehung zu vielen von ihnen entstand.

Am Samstag verabschiedeten wir uns im Meeting von den Mitarbeitern, was auch sehr ruehrend war, weil jeder etwas ueber uns sagte und vielen Mitarbeitern ins Gesicht geschrieben war, dass sie uns nicht nur als Kollegen sondern viel mehr als Freunde vermissen werden. Mir wir des genauso gehen, dass ich einige Freundschaften sehr vermissen werde.

Heute, Sonntag, war dann der schwerste Abschied, naemlich im Shelter. Da wir im selben Haus wohnen und jeden Nachmittag, und alle freien Tage und Wochenenden, Feste und Feiern gemeinsam verbracht haben, sind wir mit den Burschen ein bruederliches Verhaeltnis aufgebaut und es ist sehr schwer sie zurueck zu lassen. Es ist ungewiss ob und wann ich sie je wiedersehen werde. Doch es ist wunderschoen zu sehen, wie viel wir in diesem Jahr bewirken konnten.
Jetzt ist es einfach an der Zeit nurmehr die Fruechte unserer Arbeit zu ernten, den fuer andere ist es leider schon zu spaet.
Ein Junge sagte heute zu mir: „Sister you no Austria going, you in my heart fix.“ Ja da kommen die Traenen, aber auch ganz viel Dankbarkeit fuer die gemeinsame Zeit.
Am Abend gingen wir mit den Burschen noch gemeinsam Cricket spielen. Morgen werden wir auch noch den Nachmittag mit ihnen verbringen und am Abend gehts dann mit dem Zug nach Hyderabad und dann bald auch schon in Richtung Oesterreich.

Ich kann schwer sagen welches Gefuehl gerade ueberwiegt. Einerseits bin ich sehr traurig ueber den Abschied und ich werde viele Menschen sehr vermissen, andererseits bin ich sehr sehr dankbar fuer all die Erfahrungen, Momente, Begegnungen und ganz besonders fuer die Menschen hier, die meine Freunde und Brueder wurden.


Ich danke allen, die meinen Blog immer wieder gelesen haben, fuer euer Interesse.
Ganz besonders bedanke ich mich auch bei meiner Familie und meinen Freunden, die mich bei meinem Vorhaben unterstuetzt haben und mir immer zur Seite gestanden sind. DANKE!!!

So in wenigen Tagen bin ich wieder bei euch. Bin schon sehr gespannt was alles auf mich zukommt.


Zum letzten Mal ganz liebe Gruesse aus dem wunderschoenen, kunterbunten Indien!!

Eure Martina

Freitag, 6. August 2010

Der letzte Monat brach an

Seit dem letzten Blogeintrag war schon wieder jede Menge los. Wir hatte im Juli ganz besonderen Besuch. Es kamen naemlich die 3 Volontaerinnen, die im letzten Jahr bei uns im Projekt waren. Es war irgendwie schoen zu sehen, wieviel Bezug auch noch nach einem Jahr besteht. Ausserdem war es fuer uns sehr interessant mit ihnen zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen, aber auch ueber Veraenderungen zu sprechen. Damit das ganze noch spannender wurde, kamen dann auch noch 2 Volontaerinnen aus Vijayawada. Es war echt schoen so gemeinsam zu sein und wir fuehrten viele spannnende Gespraeche.
Auch fuer die Kinder war es spannend ploetzlich 7 Sisters ums sich zu haben. Einmal fuhren 6 von uns gemeinsam nach Sabbavaram und dort machten wir gemeinsam ein Gelaendespiel mit den Burschen. Wir brachen bereits um 6 Uhr in der Frueh auf um moeglichst bald im Projekt zu sein und viel Zeit mit ihnen verbringen zu koennen. Leider hatten wir mit dem Wetter echt ein Pech und es regnete in stroemen. Besonders waehrend dem Spiel regnete es am meisten. Aber wir machten uns nichts daraus, also rannten ich und die Kinder durch Gatsch und Schlamm im Regen von einem Haus zum anderen und wieder zurueck und wieder hin. Es war echt egal und wirklich sehr sehr lustig. Am Nachmittag wurde es dann sogar etwas sonnig und am Abend spielten wir dann noch fleissig Fussball. Es war wiedereinmal ein wunderschoener Tag in Sabbavaram und die Burschen hatten einen grossen Spass und wir sowieso.

Im Shelter leiden zur Zeit die Outdoorgames unter verschiedensten Bedingungen. Einerseits ist das Wetter ein Problem, weil es immer wieder stark regnet und wir dann einige Tage wieder nicht auf den Platz duerfen, oder auf unserem Platz Wasser steht und wir so etwas im Gatsch spielen. Ein weiteres Problem ist auch, dass der Platz auf dem wir spielen nicht uns gehoert und wir somit auch viel nicht selber steuern koennen. Da passiert es dann zum Beispiel, dass fuer einige Wochen auf dem halben Platz Erdhaufen liegen, sodass wir nicht ordentlich spielen koennen. Der Sport waere so wichtig fuer die Burschen, weil sie den ganzen Tag nur sitzen und sich im Haus befinden, aber leider ist es hier irgendwie unmoeglich einen Platz zu kaufen.
Durch den neuen Father ist im Shelter irgendwie eine ganz andere Athmosphaere, die uns sehr zugute kommt. Wir haben somit mehr Zeit und auch Freiheit mit den Burschen zu reden, oder einfach herumzualbern. Ich geniesse es so sehr mit ihnen zu sein. Es entstehen so viele nette Gespraeche oder auch nur Blickkontakte. Sie sind fuer mich einfach meine kleinen Brueder und ich hab sie echt sehr ins Herz geschlossen. Der Gedanke, dass ich in wenigen Wochen nicht mehr einfach schnell rueber gehen kann zu ihnen, macht mich sehr traurig.

In der Schule hatte ich in dieser Woche eine etwas schwierige Situation. Die 1. Klasse war schon immer sehr schwierig zu unterrichten fuer mich, weil es sprachlich einfach echt schwierig ist und die Kinder noch sehr jung sind und darum noch viel mehr Sprache notwendig waere. Aus diesen und anderen Gruenden habe ich diese Woche beschlossen die 1. Klasse abzulegen und nicht mehr zu unterrichten, da es echt nicht mehr gut war so wie es lief. Die Kinder reagierten darauf echt mit sehr vielen Schuldgefuehlen und entschuldigten sich tausende Male. Sie fragen mich auch jetzt jeden Tag, wann ich wieder zu ihnen unterrichten komme. Sie muessen leider gerade einfach die Lektion lernen, dass es Konsequenzen hat, wenn sie nicht zuhoeren koennen. Ein weiteres Problem bei der Sache ist das Verhaeltnis, das ich zu den Kindern habe. Ich bin einfach kein indischer Lehrer, der mit viel viel Autoritaet unterrichtet. Das kennen die Kinder hier leider eher nicht, also schaffen sie es nicht, dass sie mir gegenueber genausoviel Respekt bringen, wie den anderen Lehrern, weil sie ja keine Angst vor mir haben. Hier prallen zwei paedagogische Welten aufeinander. In den hoeheren Klassen ist dies kein Problme, da sie schon reifer sind, aber die liebe 1. Klasse einfach noch zu jung um soweit zu denken. Jetzt muessen sie darauf verzichten, dass sie von mir unterrichtet werden, aber lernen, dass ihr Handeln konsequenzen hat.
Sonst laeuft es in der Schule recht gut. Ich freu mich immer wieder ueber neue Schueler, die mein ganzes Konzept durcheinander schmeissen. Nein, nicht weil sie so schlimm sind, sondern weil sie einfach auf einem ganz anderem Niveau sind als die anderen Schueler. Ein gutes Beispiel liefert meine 4. Klasse, die ich in Mathematik unterrichte. Ich habe Schueler, die multiplizieren zweistellig ohne Probleme, ein paar lernen zweistellig zu mulitplizieren, andere lernen gerade das Einmaleins, naja und dann kommt eine liebe neue Schuelerin und ich entdeckte, dass sie vom Einmaleins keine Ahnung hat, irgendwie sagt ihr auch Minus nichts und mit einem Plus weiss sie auch nicht was sie anfangen soll. Schlussendlich entdecke ich dann noch, dass sie 5 spiegelverkehrt schreibt. Puh ja und dass ist ein 10 jaehriges Maedchen. Irgendwie echt traurig, aber genau solche Kinder will ja unsere Schule fangen. Wir haben sie jetzt in die 2. Klasse gesteckt und wer weiss, vielleicht lernt sie schnell und hat verstecktes Wissen, denn oft ist es nur eine Sache des Auffrischens und Wiederholens. Auch in English ist es spannend, weil manche Kinder in der 2. Klasse Englisch lesen koennen, und andere schreiben so, sodass man die Woerter nicht entziffern kann, weil sie die Buchstaben nicht richtig schreiben koennen. Aber echt eine geniale und gute Herausforderung fuer mich. Ausserdem bringt es soviele Erfolgserlebnisse mit sich.

Ein weiteres schoenes Feedback sind unsere alten Schueler, die jetzt schon in die oeffentliche Schule gehen. Wenn sie naemlich einmal einen freien Tag habe, dann kommen immer einige zu uns in die Schule und setzen sich sogar teilweise in den Klassen dazu und lernen mit. Manche sagen sogar, dass sie wieder in unsere Schule wollen, weil die ist besser als die neue. Ja echt schoen, dass sie sich bei uns so wohl gefuehlt haben, aber noch schoener, dass sie jetzt in eine oeffentliche Schule gehen.

Gestern wurde ich von der Schulleiterin in ihr Buero gerufen. Als ich dort ankam, wartete eine ehemalige Schueler (Monika) und ihre Schwester auf mich. Die Eltern der beiden Maedls sind beide an Aids (soweit ich mich richtig erinnere) gestorben. Die zwei Leben jetzt bei Tante und Onkel, die selber 3 Kinder haben. Die Familie hatte eigentlich ein Haus, aber aus finanziellen Problemen mussten sie es vermieten. Sie haben sich nicht einmal einen Raum behalten, sondern haben sich am Dach einen kleinen Verbau gebaut, indem jetzt die 5 Kinder und 3 Erwachsene Leben. Da sie finanzielle solche Probleme haben, habe ich ihnen ein bisschen Geld (das ich von Verwandten und Bekannten bekommen habe- Danke) gegeben, mit dem die Schulleiterin Schuluniform, Schultasche und Buecher gekauft hat. Gestern waren dann die beiden Maedls mit einem Brief, einer Zeichnung und einen Obst fuer mich da. Es war so schoen die beiden zu sehen, wie sie dankbar sind, dass sie in die Schule gehen koennen. Andererseits hat es mir aber auch weh getan, da das Gesicht von Monika irgendwie sehr abgemagert wirkt. Es ist erstaunlich wie finanzielle Probleme einer Familie ein Kind runterziehen koennen.
Meine Bewunderung fuer dieses Kind ist enorm. Monikar war immer die, die jeden Tag die Hausuebung brachte, und dass wunderschoen, sie kam taeglich in die Schule, war in meiner Englisch Klasse eine echt gute Schuelerin. Und jetzt wo ich ihren Background weiss, wundere ich mich echt, wie sie das schafft, doch es macht mich zuversichtlich, dass sie einmal eine besser Zukunft haben kann.

Ich habe den Blog noch nie verwendet um Spenden aufzutreiben, aber einmal moechte ich es erwaehnen.
Ich habe in diesen Jahr sehr viele Menschen mit guten Plaenen und viel Motivation kennengelernt und auch viele Ideen gehoert und auch selber viele Traeume und Vorstellungen gebildet. Doch es ist leider Tatsache, dass wirklich viel aus finanziellen Gruenden scheitert. Geld fehlt an jeder Ecke. Zum Beispiel in Sabbavaram (unserem Palmenprojekt) werden gerade zwei Gebaeude gebaut. Eines davon kann spaeter einmal das Zuhause fuer 150 oder sogar 200 Burschen werden. Die Bauarbeiten gehen sehr langsam vorran. Unteranderem sind die fianziellen Probleme ein grosser Mitgrund dafuer.
Wenn jemand etwas geben will, oder ein Projekt hat, bei dem Spenden zusammenkommen, oder andere kreative Ideen hat, wie mein Projekt an Spenden komen kann, wuerde ich mich sehr freuen. Mein Grundsatz ist immer irgendwie „Geld macht nicht gluecklich“. Leider ist es aber so, dass in vielen Situationen Geld notwendig ist um eine gute Basis zu schaffen.

Jeder kleiner Beitrag ist extrem wichtig, denn nur so kann grosses entstehen!!



Meine Zeit hier geht schoen langsam dem Ende zu. Es sind mittlerweile weniger als 4 Wochen. Innerlich gehts in mir rund, wenn ich daran denke.
Irgendwie ist ein Jahr garnicht so lange. Ich kann jetzt etwas Telugu, ich bin in Indien eingewoehnt, ich kenne das Projekt, die Menschen um mich, die Menschen kennen mich .... und ich kenn auch mich selbst besser. Also es waere gerade echt vieles ideal um noch viel zu bewirken und ich wuerde auch noch gerne. Aber es war ein Jahr geplant und wahrscheinlich ist es auch gut so. Ich bereite mich schoen langsam vor auf das Verabschieden und abschliessen. Das Land, die Menschen um mich, der Lebensalltag, aber ganz besonders die Kinder, sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Es wird schwierig das alles hier hinter mir zu lassen. Deshalb hab ich auch irgendwie in meinem Kopf nicht sehr viel Platz mich auf Oesterreich wieder vorzubereiten. Aber natuerlich gibt es auch schon wieder einige Sachen auf die ich mich in Oesterreich wieder freue.

Aber derzeit konzentriere ich mich noch voll auf meine Arbeit. Nebenbei habe ich gestern schon begonnen meinen Koffer zu packen, damit ich am Schluss keinen Stress bekommen.

Also zusammenfassend... mir geht es sehr gut und ich geniesse noch meine letzte Zeit hier in Indien.


Hoffentlich geniesst ihr alle den Sommer. Freu mich schon auf ein Wiedersehen!!!!


Ganz liebe Gruesse aus dem wunderschoenen Indien


Martina



Fuer die Spenden

Empfänger: Jugend eine Welt - Don Bosco Aktion Österreich
Kontonummer: 92.083.767
Bankleitzahl: 60000
Verwendungszweck: Indien, Visakhapatnam, Baumgartner

Mittwoch, 7. Juli 2010

Alltag und Ausfluege

Schon seit ein paar Tagen nehme ich mir vor wieder einen Blogeintrag zu schreiben, naja und dann ist heute genau das richtige Wetter dazu… es regnet in stroemen…… Es hat mittlerweile schon irgendwie die Regenzeit angefangen, oder zumindestens ein Vorbote davon. Also hat es schon die ganze Woche geregnet, doch heute schuettet es echt richtig, schon die ganze Zeit, also sind die Strasse voller Wasser und es ist schwierig in die Schule zu kommen, ausserdem wuerden bei dem Wetter sowieso kaum Kinder kommen, also ist heute bei uns in der Schule kein Unterricht.
Auch am Montag war schon wenig los in der Schule, denn an diesem Tag streikte ganz Indien wegen der hohen Oelpreise. Die oeffentlichen Schulen, wie auch Geschaefter und vieles mehr blieb geschlossen. Ausserdem fuhren keine Busse und nur sehr wenige Outos. In der Frueh schafften wir es ein Outo zu bekommen.... wir wurden zwar waehrend der Fahrt ca. 4 mal von Menschen mit Stoecken aufgehalten, aber wir hatten irgendeinen wichtigen Menschen in Uniform in unserem Outo sitzen, also liessen sie uns immer vorbei. Zu Mittag war dann wirklich alles lahmgelegt. Zum Glueck war gerade ein Mitarbeiter bei der Schule, der mich und Bettina dann mit dem Moped im stroemenden Regen nach Hause brachte. Ich hab sowas noch nie gesehen, die ganze Strasse war leer. Keine Outos, keine Menschen, keine Busse.

Letzte Woche waren Bettina, Eli und ich drei Tage in Vijayawada die anderen Volos besuchen und uns das Projekt dort ansehen. Es ist ein echt grosses und gut organisiertes Projekt, wirklich schoen. Man merkt einfach den Unterschied zu unserem, da es schon seit 25 Jahren besteht, unser Projekt ist noch nicht einmal 5 Jahre alt. Nach den schoenen drei Tagen in Vijayawada fuhren wir mit dem Zug nach Hyderabad . Dort besuchten wir andere Volos, sahen uns ein paar Sehenswuerdigkeiten an, besuchten unseren ehemaligen Father und dann brachten wir die Eli leider zum Flughafen, da ihr dreiwoechiger Besuch vorbei war und sie wieder zurueck in die Schweiz flog. Am Samstag fuhren dann Bettina und ich wieder 14 Stunden mit dem Zug zurueck. Wir nahmen uns diesmal einen Schlafplatz, da ist es echt wesentlich gemuetlicher und die Zeit vergeht echt schnell. Es war ein schoener Ausflug, aber es ist immer wieder schoen wieder zuhause anzukommen.

Naja wenn ich nicht gerade reise und uns auch der Regen keinen Strich durch die Rechnung macht, dann unterrichte ich in der Schule. Klingt jetzt so als waere es selten, aber keine Sorge ich bin schon oft genug dort.
Die 2. Und 3. Klasse unterrichte ich wieder in Englisch. Obwohl es viele Schueler sind, funktioniert das Unterrichten eigentlich sehr gut, doch wir muessen uns noch etwas Zusammenleben und ich muss die Kinder noch besser kennenlernen. Das ist leider aber oft sehr schwierig, weil nur wenige Kinder wirklich jeden Tag kommen, es gibt viele die halt manchmal wieder kommen und dann wieder laenger nicht.
Die liebe 1. Klasse unterrichte ich auch in Englisch und sie stehlen mir echt viele Nerven. Schon alleine wenn ich in die Klasse komme, bis sie mal leise sind und alle auf ihrem Platz sitzen. Natuerlich kommen auch viele oft nicht, also manchmal hab ich 5 Schueler, dann wiedermal mehr als 15, verrueckt. Das naechste grosse Problem taucht dann auf, wenn ich will, dass sie etwas Abschreiben. Ich laufe dann ca. 10 Minuten herum bis jeder ein Heft oder eine kleine Tafel hat und einen dazupassenden Stift und bis dann wirklich alle irgendwie abschreiben ist meine Geduld und auch die Zeit schon wieder vorbei. Aber ein bisschen kann ich ihnen schon beibringen und wenn es nur ist, dass sie mal endlich ruhig sitzen und einfach was abschreiben. Meistens bereite ich jetzt Arbeitsblaetter vor, denn dabei sind sie alle leise und arbeiten fleissig und machen das Arbeitsblatt sogar, weil es ihnen so Spass macht, 2 oder 3 oder sogar 4 mal. Das Schoene ist, sobald die Stunde vorbei ist, egal was in der Stunde war, die Kinder lachen und laufen herum und umarmen mich, reden mit mir, laecheln mich an und ich kann ihnen einfach nicht mehr boese sein.

Naja und meine liebe 4. Klasse. Sie besteht aus 2-3 Burschen und 5 Maedls. Die Burschen multiplizieren und dividieren wie die Weltmeister und ich bin schon am ueberlegen was ich mit ihnen noch machen kann. Und die Maedls (so um die 12- 14 Jahre) muehen sich gerade mit Subtraktionen ab. Vor etwa 3 Wochen habe ich einigen von ihnen erklaert, wie Minus rechnen ueberhaupt funktioniert. Mittlerweile schaffen wir es schon mit 10er Unterschreitung und mit der Hilfe von Fingern zu rechnen (uebringens irgendwie witzig, wenn beim Rechnen die Finger ausgehen, weil die Zahl groesser ist als 10, dann werden einfach die Zehen zum Weiterrechnen verwendet). Die Maedls haben wahrscheinlich in den letzten Jahren zuhause im Haushalt geholfen und befuerchte auch, dass ihre Zukunft dementsprechend wird, dass heisst, sie werden wahrscheinlich bald verheiratet und sind dann Mutter und Hausfrau. Aber ich bin derzeit echt froh, dass sie alle regelmaessig in die Schule kommen und echt motiviert zum Lernen sind. Ausserdem merkt man ihr Alter schon an ihrer Reife, also schlagen sie sich nicht staendig und nehmen sich keine Stifte gegenseitig weg und sie haben sogar Stift und Heft mit (ok ein Heft, in das alle Faecher kreuz und quer geschrieben werden, aber egal), also tut das Unterrichten bei ihnen immer gut nachdem ich mich zuvor mit der 1. Klasse amuesiert habe.

Was war sonst noch so los... am 25.6. fuhren wir gemeinsam mit unserem Father einen Tag in ein Tribalsgebiet. Bald in der Frueh brachen wir auf uns fuhren mit dem Jeep raus aus der Stadt, dorthin wo die vielen Doerfer sind und dann einen Berg hoch durch scheinbar unberuehrte Natur. Als wir oben ankamen war dort ein richtig grosses Dorf mit vielen Geschaeften, Schulen und natuerlich Menschen. Zuerst sahen wir uns beruehmte Hoehlen an die es dort gibt. Dann wollten wir uns ein Tribalmuseum anschauen, doch es war leider geschlossen. Also fuhren wir den Berg wieder ein Stueck hinunter und fuhren dort ein ein Dorf. Dort haben Schwestern ein Haus in dem sie Kinder von Tribalfamilien unterrichten und ihnen Unterkunft usw. geben. Diese Kinder leben dann dort ein Jahr und anschliessend kommen sie in andere Projekte, die Burschen kommen dann alle zu uns. Also haben wir das Haus gesehen, in dem die meisten unsere Jungs schon ein Jahr verbracht haben. Die Sisters kennen die Familien von unseren Burschen, darum war es sehr interessant mit ihnen zu sprechen und mehr ueber den familaeren Hintergrund zu erfahren. Manche kommen zum Beispiel aus Doerfern zu denen man oft 2, 3 oder sogar 4 Stunden zu Fuss gehen muss. Zu dem Haus von einem muss man sogar etwa 8 Stunden gehen, echt unvorstellbar fuer uns. In vielen dieser Doerfter, also viele Eltern, haben ein Alkoholproblem, da sie sich selbst Alkohol herstellen und davon dann abhaengig werden. Das Leben in dieser unberuehrten Natur scheint zwar sehr schoen und unkompliziert, aber ich glaube es ist sehr hart und sehr schwierig. Einige unserer Burschen verbrachten schon viele Jahre in verschiedenen Heimen, da von zuhause aus Schulbildung oft absolut nicht moeglich ist.

Leider ist vielen von ihnen aber nicht bewusst wie wichtig Bildung fuer sie ist, also sind schon wieder einige davon gelaufen. Ein paar groesser Jungs haben uns aber zuvor darueber informiert und bei manchen weiss ich, dass sie auch von zuhause aus in die Schule gehen koennen. Natuerlich wird die Schule dort nicht so gut sein und es ist auch fraglich, ob sie ueberhaupt gehen werden, aber ich muss einfach vertrauen, dass sie ihren Weg gehen werden. Der verheiratete Junge ist leider auch nachhause gegangen. Ich hab dann erfahren, dass er nicht weit weg von einem grossen Dorf lebt und es so fuer ihn kein Problem ist in die Schule zu gehen und er hat auch versprochen, dass er gehen wird. Naja und wahrscheinlich ist es fuer ihn wirklich das Beste bei seiner Frau zu leben. Trotz aller Hoffnung hab ich wie befuerchtet dann vor kurzem erfahren, dass er nicht in die Schule geht, sondern zuhause arbeitet und wahrscheinlich Tiere huetet oder aehnliches. Ja es macht mich traurig, aber es ist Teil des Lebens hier.

Ein weiteres Problem, das bei den Tribals herrscht, von dem wir aber erst in letzter Zeit einiges gehoert haben, sind die Maoisten (Freiheitskaempfer). Sie leben hier ueberall im Dschungel, also in den Doerfern unserer Triablburschen auch. Es hat sogar einmal geheissen, dass es fuer uns zu gefaehrlich ist die Doerfer zu besuchen. Ich hab zuvor echt nicht gewusst, dass die Maoisten so nahe sind und so aktiv. Zur Zeit ist in der Zeitung jeden Tag auf der ersten Seite ein Artikel ueber eine Aktion der Maoisten oder der Polizei gegen sie. Was mir zeigt wie gefaehrlich sie wirklich sind zeigt mir die Tatsache, dass die Polizei sie einfach kaltbluetig erschiesst, sobald sie einen antreffen. Das klingt jetzt furchterregend und es ist auch so, aber keine Sorge sie werden nie in die Stadt kommen. Ausserdem ist es ein Thema das nur fuer mich gerade auftaucht, weil ich darueber informiert wurde, aber die Maoisten leben schon seit 40 Jahren hier in den Waeldern und sind immer irgendwie aktiv.

Meine Zeit hier geht schon eher etwas dem Ende zu, zwei Monate koennen echt wie im Flug vergehen. Ab Anfang September werde ich wieder im Lande sein.
Ich versuche die letzte Zeit noch zu geniessen und bin schon gespannt wie es dann in Oesterreich wieder ist. Ehrlich gesagt muss ich aber schon sagen, dass ich etwas Angst habe vor dem Abschied, da mir viele Menschen hier sehr ans Herz gewachsen sind und ich nicht weiss, wann ich sie wieder sehen werde. Ausserdem die Umstellung wieder auf Oesterreich wird gewiss auch nicht so einfach, aber egal... ich denke jetzt noch nicht zuviel darueber nach, sondern bin noch Ganz hier.

Sodalala soviel von den Neuigkeiten von mir. Ich werde mir jetzt einen ultimativen Plan ueberlegen, wie ich die Kinder der 1. Klasse in den Griff bekomme (unter anderem auch, damit ich meinen Lehrerkollegen zeigen kann, dass es auch andere Wege gibt als einen Stecken um die Kinder zu beruhigen. Leider sind sie derzeit dem Stecken besser dran als ich. Sie schlagen prinzipiell eh eher nicht zu, aber die Kinder wissen, dass die Moeglichkeit besteht, dass sie geschlagen werden, also sind sie ruhig. Aber ich werde es jetzt hoffentlich mit paedagogischen Mitteln schaffen, ohne ihnen Angst einfloessen zu muessen).

Ich wuensche allen wunderschoene und erholsame Ferien.
Liebe Gruesse
Martina

Hab auch zwei Videos hochgeladen. Beim Abschlussfest fuer unsere alten Schueler haben sie ueber alle Lehrer etwas gesagt. Einige haben auch ueber mich gesprochen. Zwei Videos davon hab ich raufgeladen... die beiden Maedls haben es in ihrem bestem Englisch dargeboten. Ich bin echt stolz auf sie:

http://www.youtube.com/watch?v=hm7tXGJHeKc

http://www.youtube.com/watch?v=_QeYC0X9W9o


Und noch etwas lustiges hab ich als Anhang: Vor kurzem hat uns ein Outo Fahrer voller stolz erzaehlt, dass seine Kinder mal im Ausland studieren werden, er weiss sogar schon den Ort wohin er sie schicken will, naemlich nach London, das befindet sich in der USA und diese Abkuerzung steht fuer United Nations of Africa also Mitten in UK hat er erklaert. Na dann alles klar wo dieser Ort ist. (Ok zu seiner Verteidigung muss man sagen, in einem Telugumovie kommt vor, dass eine indische Familie besucht bekommt aus der USA und die Stadt aus der der Besuch kommt ist London, also naja die Geografie laesst gruessen)!!

Freitag, 11. Juni 2010

Erfolgserlebnisse

Heute hatte ich einen echt efolgreichen Tag, darum hab ich beschlossen ich werde euch davon berichten.
In der Schule war heute ein irgendwie wehmuetiger Tag, aber andererseits ein sehr gut. Die 9 Monate, seit ich schon hier in Indien bin, habe ich die Kinder in der Schule unterrichtet. Da unserer Schule nur zur Vorbereitung auf die oeffentliche Schule ist, bleiben die Kinder nur fuer ein Jahr hier. Am Montag beginnt das neue Schuljahr, also heisst es Abschied nehmen von den Kindern.

Einerseits mit einem weinendem Auge, weil ich sie in dieser Zeit sooo lieb gewonnen habe. Jeden Tag, egal wie muede oder unmotiviert ich war, sobald ich die Schule betrat, freute ich mich riessig und war einfach nur froh dort zu sein und die lachenden Augen der Kinder zu sehen. (Echt keine Ahnung, wie sich die Kinder ueber uns seit 9 Monanten jeden Tag wahnsinnig ueber uns freuen koennen). Ausserdem habe ich mit den Kindern natuerlich jetzt schon viel Routine entwickelt. Sie wissen was ich von ihnen verlange, oder was ich ihnen sagen will (obwohl sie vielleicht nicht verbal verstehen was ich gerade vermitteln will). Ich kenne ihre Macken, und sie halt meine.

Aber auf der anderen Seite ist das lachende Auge, und das ueberwiegt echt. Es ist ein wunderschoenes Gefuehl zu sehen, dass unsere Schuetzlinge jetzt in die oeffentliche Schule gehen koennen und so einen grossen Schritt in eine bessere Zukunft machen. Durch den Vergleich mit den neuen Kindern kann ich einfach ganz klar entdecken, was sich alles veraendert hat. Aber nicht nur das.
Wenn ich zum Beispiel an die 2. Und 3. Klasse denke... Am Anfang des Schuljahres hab ich auf das Wort „book“ gezeigt und sie haben „schoolbag“ gesagt (bzw. geraten). Und heute... sitzt die liebe Devi aus der 2. Klasse neben mir und sieht einen Zettel und liest darauf „ What is your name?“. Sie kann einen ganzen englischen Satz lesen. Oder meine 6. Klasse, die ich erst seit etwa 6 Wochen unterrichte, kann jetzt Frage und Verneinung bilden und die Past tense bilden. Oder meine 1. Klasse, die am Anfang nicht einmal Englisch abschreiben koennen hat und jetzt koennen sie alle ihren Namen auf Englisch schreiben.
Es ist ein echt gutes Gefuehl die Kinder gehen zu lassen, da ich so ueberzeugt bin, dass sie gut vobereitet bin und ich vollstes Vertrauen in sie habe, dass sie ihren Weg gehen werden.



Im Shelter ist gerade nicht so eine gute Stimmung. Da eben am Montag wieder die Schule beginnt, muessen die Burschen von ihren Familien zurueckkehren ins Shelter. Damit muessen sie wieder ihr Leben bei ihrer Familie, in vollster Natur und mit viel mehr Freiheiten aufgeben. Doch fuer die meisten ist es anders nicht moeglich die Schule zu besuchen, darum ist es fuer sie sehr wichtig, dass sie bei uns im Shelter sind. Leider kommen immer wieder Kinder nicht damit zurecht und laufen davon. Letzte Woche sind 3 kleine Burschen davongelaufen, weil sie so Heimweh hatten. Einer davon hat mich heute angerufen und gemeint, dass er wieder kommt. Heute in der Frueh ist auch einer nach Hause gelaufen. Im ging es leider seit er zurueck gekommen ist garnicht gut und er schaffte es nicht mit der Situation sich abzufinden. Wir versuchten mit ihm zu sprechen, aber er liess nichts zu. Doch dieser Junge ist ein sehr cleverer Bursche, also bin ich ueberzeugt, dass er seinen Weg finden wird. In Sabbavaram sind gestern in der Frueh gleich 4 kleine Burschen davongelaufen, am Nachmittag wurden sie dann im Wald gefunden, wo sie sich versteckten, denn von dort aus wollten sie nach Hause laufen.

Das alles klingt jetzt wahrscheinlich sehr erschreckend, doch es ist oft eine sehr unueberlegte Reaktion, die aus der Schwierigkeit sich wieder anzupassen entsteht und schlussendlich bin ich zuversichtlich, dass fast alle am Montag in der Schule beginnen werden. Leider ist das davonlaufen aber immer Teil von so einem Projekt. Es war am Anfang sehr schwierig fuer mich, doch mittlerweile weiss ich damit umzugehen.
Ein weiteres Beispiel, wie anders das Leben der Tribals (Menschen die auf Bergen in Doerfern wohnen) ist, hat sich auch bei uns ereignet. Ein 16 jaehriger Bursche aus dem Shelter kam nach den Ferien von seinem Dorf zurueck und erzaehlte uns dann, dass er vor eine Woche geheiratet hat. Ja klingt verrueckt, ist es auch. Aber die Eltern verheiraten die Kinder sobald, damit sie sich ja nicht verlieben oder mit jemanden anderen irgendeinen Kontakt haben. Dass die Hochzeit nicht das Beste fuer die beiden in dem Alter ist, trau ich mir zu behaupten, dass es aber Teil des Lebens der Tribals ist, ist Tatsache. Ich bin einfach uebergluecklich, dass der Junge zurueck ins Shelter kam und jetzt trotzdem seine Schule fertig machen wird. Ausserdem ist es schoen zu sehen, dass er nicht bedrueckt ueber die Heirat ist, sondern er wirkt sehr positiv.

Heute im Shelter hatte ich ein klitze kleines Erlebnis, das mich aber irrsinnig gepraegt hat. Zur Zeit machen wir im Shelter viele viele Freundschaftsbaender aus wolle, weil es den Burschen so sehr Spass macht. Unser juengster Bursche, Karthik (5 Jahre), hat erst in letzter Zeit ein Freundschaftsband zu machen. Vor etwa zwei Wochen kam er zu mir „Sister Paamu (Schlange)“. Er wollte also, dass ich im eine bestimmte Freundschaftsbandtechnik lerne. Diese hab ich aber gerade erst selbst gelernt und sie ist echt schwierig. Anfangs erklaerte ich Karthik, dass es zu schwierig ist fuer ihn, weil ich echt nicht wusste, wie er es schaffen sollte. Er kam jedoch jede Zeichenstunde zu mir „Sister Paamu“. Ich begann dann im zu zeigen und zu erklaeren wie es funktioniert, aber seine Geduld war echt zu wenig und bereits nach 5 Minuten nahm er die Wolle und warf sie weg und schrie „Sister, no“. Zu meiner Ueberraschung kam er jedoch zwei Tage spaeter wieder und fragte wieder nach der Schlange. Ich erklaerte wieder und seine Geduld riess wieder bald ab. Dann war eine Weile Pause. Doch vor ein paar Tagen kam er wieder „Sister paamu“. Ich setzte mich wieder hin, erklaerte ihm Schritt fuer Schritt, wie er es machen soll. Seine Geduld wurde sehr knapp und ich schaffte es aber doch irgendwie, dass wir ein Stueck machten. Doch er war so unzufrieden mit dem Ergebnis, dass er wuetend davon lief und echt sauer auf mich war und mich eine Weile nicht ansah. Heute kam er dann wieder zu mir und ich war noch mehr ueberrascht, dass er es nochmal versuchen wollte. Ich beschloss heute ganz fuer ihn da zu sein und das mit ihm zu schaffen. Ich hielt das Freundschaftsband und zeigte ich immer jeden Faden, den er als naechstes nehmen muss. Die ganze Zeit konzentrierte ich mich nur auf ihn, den sonst wusste ich, ist seine Geduld schon wieder vorbei, wenn ich zum Beispiel nur mit jemand anderem spreche und er warten muss. Nach einer Weile entstand wirklich endlich die lang ersehnte Paamu (Schlange) und ich war so begeistert von dem Ergebnis, dass ich zu singen begann. Da er meine Freude sah, war seine natuerlich dann noch viel groesser. Wir haben es endlich geschafft, dass der Karthik eine Paamu gemacht hat. Am Abend machten wir ausnahmsweise nochmal Freundschaftsbaender und natuerlich kam der Karthik wieder „Sister Paamu“. Ich setzte mich wieder zu ihm hin und sagte ihm wieder Schritt fuer Schritt an. Ploetzlich entdeckte ich, als ich kurz mit jemand anderem sprach, dass er von selbst den naechsten Schritt gemacht hat. Ich sagte nichts und reagierte nur, wenn er mich fragte, da er Bestaetigung brauchte, ob der naechste Schritt stimmt. Irgendwann konnte ich neben bei ein eigenes Freundschaftsband knuepfen und Karthik machte seines.
Er kann jetzt alleine eine Paamu machen.
Ich weiss ich hab diese Geschichte jetzt echt ausfuehrlich erzaehlt, aber ich freu mich einfach so darueber. Karthik hat mir eindeutig gezeigt, dass ich mit Geduld ganz viel schaffen kann. Fuer Kinder ist es oft schwierig geduldig zu sein (kenn ich ja selbst auch), doch wenn ich ruhig und geduldig bin, dann uebertrage ich es auf das Kind und es ist viel mehr machbar. Doch das Schoenste, dass Karthik mir zeigte war wie das Sprichwort sagt :“ Wo ein Wille, da auch ein Weg“. Und das ist eindeutig so. Alles kann man erreichen, wenn man den festen Willen hat und an sich selbst glaubt.


Soweit so gut die neuesten Erlebnisse, die mir immer wieder Kraft und Motivation geben und mir Lust auf viel mehr machen.

Noch kurz andere Neuigkeiten:
Es ist schon etwas kuehler, also ich bin nurmehr ein bisschen nass, wenn ich von der Schule nach Hause kommen und nicht mehr komplett durchnaesst.
Mein Hitzeausschlag ist noch nicht recht weniger geworden, aber mit 3 mal taeglich duschen, Babyseife und Hitzepowder halte ich ihn ganz gut im Griff.
Gegenueber von uns wird ein Haus schon seit laengerem umgebaut - es ist wunderschoen und heute entdecke ich, dass sie es in meiner Lieblingsfarbe- orange- angemalt haben. Kraeftige Farbe aber einfach passend in das Stadtbild, echt schoen.
Vor unserem Haus wird die Strasse etwas aufgerissen und neu asphaltiert. Dazu wurden kleine Steine angeliefert, die bei der Einfahrt zu unserer Strasse ausgeleert worden sind. Naja jetzt kann man halt nicht mehr rein fahren in die Strasse, weil dort ein grosser Steinehaufen ist. Und vor etwa einer halben Stunde (ca. 10 Uhr am Abend) kam ploetzlich ein extrem Laerm.... die Bettina teilte mir dann mit es ist gerade die Mischmaschine gekommen, naja warum nicht wer will schon schlafen. That’s a little bit of the crazy India.


Also mir gehts gut, ich geniesse die Zeit.... sind ja nurmehr zweieinhalb Monate.

Wuensche euch allen einen wunderschoenen Sommer (freue mich, dass die Sonnenstrahlen endlich bei euch angekommen sind) und alle noch viel Kraft und Energie fuer die letzten Schulwochen.

Ganz liebe Gruesse

Martina