Samstag, 1. Oktober 2011

Alltag kehrt ein

In den letzten zwei Wochen ist nun mal so etwas wie Routine eingekehrt und ich habe eigentlich alles organisatorische vorerst mal geklärt, ein gutes Gefühl.

Naja, wie sieht so ein normaler Tag so aus bei mir:
6.00 ist Tagwache, da bekomm ich dann Tee und Kekse und dann geht’s ab 25 min Fußmarsch aufs College.
7.00 Ich komme eh im College an (das um 7 Uhr beginnt) und bin die zweite Studentin, nur ein Studienkollege kommt immer um 10 vor 7, keine Ahnung was ihn dazu treibt.
7.20 schön langsam kommt die erste Lehrerin auch mal an, die family und social work unterrichtet. Eigentlich ein sehr interessantes Fach, aber mit vielen Referaten.
8.10 Nachdem sich noch ein paar Kollegen zu uns gesellt haben beginnen wir mit Research (dort lernen wie die Grundlagen, wie wir unsere Bachelorarbeit schreiben sollen), also echt auch wichtig für mich. Die Research Tante hat mich gleich am zweiten Tag gefragt, ob es mir leicht zu schwer ist und ich nicht mitkomme, ich hab ihr dann mal erklärt, dass des alles schon a bissl a Orientierungsphase braucht, wenn ma sich auf ganz viele neue Sachen (Sprache, Lehrer, Fächer, College, Lehrmethoden etc.) einstellen muss. Sie hat dann mich immer wieder im Unterricht Fragen gestellt, damit sie schauen kann, ob ich wirklich nicht zu dumm dafür bin. Das Ganze hat nur ein Problem: sie spricht prinzipiell auf Englisch, außer sie erklärt etwas, dann wechselt sie auf Nepali. Also ich weiß immer um was sie gerade erklärt, aber die Erklärung verstehe ich nicht. Also nachdem sie lange auf Nepali etwas erklärt hat, kommt dann die Verständnisfrage für mich wieder auf Englisch, vollkommend aus dem Zusammenhang gerissen für mich. Naja ich hab ihr mal versucht zu erklären, dass ich mir auf Nepali schon etwas schwer tue, naja. Von meiner ersten Prüfung, die ich ja gleich am zweiten Tag bei ihr ablegte, war sie sogar positiv überrascht.
9.00 eine halbe Stunde Pause (ja eine halbe Stunde ist echt ein dehnbarer Begriff)
9.45 geht’s dann für die Hälfte der Anwesenden (die Anderen verlängern ihre Pause meist noch um eine viertel bis halbe Stunde) weiter mit Rural and Urban community development (die Entwicklung der ländlichen und städtischen Bevölkerung). Ein äußerst spannendes Thema, besonders auf Nepal bezogen. In diesem Fach hatte ich diese Woche meine erste Präsentation über Consequences of rapid urbanisation (Konsequenzen der schnellen Verstädterung). Ja hat mir keiner dort zugetraut (so wie vieles nicht), dass ich ein Referat schaffe. Da habens etwas geschaut, wie ich so präsentiert habe, ohne auf meinem Plakat den ganzen Text stehen zu haben und alles herunter zu lesen (so wie meine lieben nepalesische Kollegen). Sogar der Direktor kam extra zuhören und war begeistert, und meine Lehrerin sagte auch nur, dass sie vollkommend zufrieden ist. Ja hat mir gut getan.
10.40 kommt dann eigentlich die Leiterin (eigentlich keine Ahnung was ihre genaue Position ist) des Colleges und wir haben developing communication (bildende Kommunikation oder so)- hab bis heute nicht kapiert was der Sinn dahinter ist. Wir haben außerdem erst eine Stunde dieses Faches gehabt, dafür schon 1000 Arbeitsaufträge (Plakat, Magazin, Broschüre herstellen etc.).
11.30 geh ich dann, wenn nicht wie meistens noch was Organisatorisches geklärt gehört, zurück in mein Hostel, esse dort meinen Reis mit Erbsensouce (natürlich mit der Hand mhh)
Ja so sieht meist mein Collegetag aus, bzw. so ist mal der Plan, obwohl sich eh immer irgendwas anders ergibt
den Nachmittag verbringe ich mit Arbeiten für die Schule, lesen, Gesprächen, Wäsche waschen usw.
dann um ca. 19.10 gibt’s wieder lecker Reis mit Erbensouce und meistens Gemüse und dann…. ja man glaubt es kaum, aber zwischen 21 und 22 Uhr liege ich immer im Bett.
Dieses bald- ins- Bett gehen ist eine meiner neuen ungewöhnlichen Angewohnheiten. Gestern wär ich sogar schon fast um 20.15 gegangen, aber das schien mir doch zu bald.
Noch eine andere ungewöhnliche Angewohnheit ist, dass ich eigentlich jeden Tag die Erste am Morgen bin, die aufsteht, sogar schon an freien Tagen zwischen halb 7und halb 8. Ich habe Gefallen gefunden an den Morgenstunden.
Was noch etwas Sonderbar ist, mir macht das Wäsche waschen mit der Hand zurzeit echt Spaß. (liebe Mama bitte lies diese Zeile nicht, ich will nicht, dass es irgendwelche ungewollten Nachwirkungen mit sich zieht). Aja und im letzten Bericht wirkt es so, als würde ich nicht Wäsche waschen können. Ich hab schon einen Plan wies geht, aber jede Hausfrau (und so auch die Betreuerin in meinem Hostel) hat da einfach die eigenen Vorstellungen, und die sind die einzigen richtigen.
Außerdem hab ich noch eine neue absolute Lieblingsbeschäftigung gefunden. Doch darüber werde ich mal extra was schreiben.
Eine weitere Veränderung ist, dass ich zum absoluten Tierfreund geworden bin, nicht das ich sie vorher nicht mochte, aber jetzt hab ich echt eine enge Beziehung aufgebaut:
Ich freu mich immer wieder über Besuch von Geckos in meinem Zimmer, die schnell mal „Hallo“ sagen. Meine täglichen Begleiter die Kakerlaken würde ich vermissen, wenn sie nicht in meinem Zimmer wären (außer wenn sie in meinem Kleiderkasten sind, bin ich meist nicht so erfreut, aber oft chancenlos). Und hin und wieder ein Überraschungsbesuch einer Maus, lässt mein Herz höher schlagen. Mit den Spinnen und Ameisen hab ich leider noch nicht so engen Kontakt aufgenommen, weil sie einfach zu viele sind um persönliche Gespräche aufzubauen.
Aber den engsten Draht habe ich zu den Hunden in der Nachbarschaft. Sie sind wirklich treue Freunde geworden. Egal um welche Uhrzeit ich ins Bett gehe (es ist schon auch vorgekommen, dass es ein oder zweimal halb 11 war), die Hunde sind startklar und sobald ich im Bett liege und das Licht abdrehe beginnen sie mir jeden Abend eine ewig lange lautstarke Gute- Nacht- Geschichte zu erzählen, in verschiedenen Tonlage, damit es spannend bleibt. Meistens schlafe ich dann doch irgendwie mitten in der Geschichte ein. Aber auf meine Freunde ist Verlass, entweder sie wecken mich mitten in der Nacht noch einmal auf um weiterzuerzählen, aber das nur manchmal. Jedoch kann ich mich gewiss darauf verlassen, dass sie schon wieder lautstark weitererzählen, wenn ich in der Früh munter werde.
Ich mag solche treuen Tierfreundschaften.

Aja bei meinem Tagesablauf hab ich ganz vergessen zu erwähnen, dass ich ja nur drei Tage in der Woche (So, Mo, Di) am College bin. Die anderen Tage (Mi, Do, Fr) arbeite ich in einer Organisation mit. Letzte Woche wurde mir dann schon eine Organisation zugewissen, in der ich dann die drei Tage verbrachte. Es ist ein Waisenhaus für 9 Kinder. Klingt ja sehr spannend. Als ich dann dort ankam waren nur zwei Kinder da. Ich fragte, wo die anderen seien- ja natürlich in der Schule. Ich vergaß ganz darauf. Die Kinder sind also von 9 bis 16 Uhr in der öffentlichen Schule und ich von 10 bis 17 Uhr bei ihnen in der Organisation um mit ihnen zu arbeiten. Ups, da geht sich irgendetwas nicht so aus… als ich die Verantwortlichen dort ansprach meinte sie, dass es soviel zu tun gibt… kochen, putzen, Wäsche waschen, Garten arbeiten etc. Klingt ja mehr nach Hauswirtschafts- Praktikum als sozial Arbeiter.
Nach eine Gespräch in meinem College werde ich nun nur meine Ferien dort verbringen und aber eine neue Organisation suchen. Diese Woche hab ich dann wieder ein paar angeschaut. Ein Direktor war sehr nett und hätte mich gerne dort gehabt, aber er hat gleich angefangen, dass die Bücherei sortiert gehört usw. Naja ich werde wohl dort ein paar Nachmittag verbringen.
Und dann endlich fand ich die perfekte Organisation. Dort sind 50 Kinder, die körperlich und /oder geistig beeinträchtigt sind. Sie werden dort unterrichtet und gefördert. Genau das was ich wollte, und das Wichtigste, es ist ein Platz, wo ich auch meine Fähigkeiten als Sonderschullehrerin verbessern kann (das ist ja irgendwie der Sinn von einem Praktikum, für das ich Kredits bekomme).
Am 2. Nov gehts dann dort los, bin schon gespannt.
Ja ich war ja jetzt schon eineinhalb Wochen im College, darum hab ich mir meine Ferien reichlich verdient. Es sind nämlich jetzt bis 2. Nov Ferien, weil zwei große hinduistische Feste sind. Ich hab mir aber vorgenommen, dass ich viel Zeit im Waisenhaus verbringen werde. Derzeit schaut es aber auch so aus, als könnte ich vielleicht ein Dorf besuchen fahren. Mal sehen, in Nepal ist eh nichts planbar.

Ui es gibt immer so viel zu erzählen.
Also ein Punkt noch: meine Hostel- Familie
Ich bin ja nicht mehr bei meiner Gastfamilie sondern seit zwei Wochen in einem Studentenheim (Hostel) für Mädchen. Das lustige ist, ich bin derzeit noch die einzige, die anderen kommen erst nach den Ferien.
Doch ganz alleine bin ich ja nicht, neben meinen tierischen Freunden, habe ich noch 3 weitere Wegbegleiter. Aus psychologischer Sicht ist unsere Zusammenstellung äußerst interessant.
Mit der Betreuerin im Hostel verstehe ich mich sehr gut. Wir haben schon viele sehr gute Gespräche geführt und können uns gegenseitig alle Fragen stellen, die wir schon immer über die andere Kultur wissen wollten, echt schön. Sie hatte nur leider bis jetzt schon ein sehr schwieriges Leben mit vielen sehr schockierenden Erlebnissen. Das meiste davon konnte sie noch nicht verarbeiten. Ich bin jetzt eine große Ansprechpartnerin für sie, was ich sehr gerne mache, wobei es aber etwas schwer fällt, mich manchmal davon abzugrenzen.
Dann ist ihr 15-jährige Sohn bei uns im Hostel, der sowas von nett undhöflich ist. Er hat leider sehr schwierige Jahre hinter sich, in denen ganz viel falsch gelaufen ist. Darum hat er auch all seine Freunde und Bezugspersonen verloren. Die einzige Person, die er hat, ist seine Mama, an der er natürlich viel Frust auslässt. Seit ich nun da bin, führen wir viele Gespräche, er erzählt mir Sachen, die er mit seiner Mama halt nicht besprechen will, und wir haben ein gutes freundschaftliches Verhältnis.
Und dann ist noch eine 35-jährige da, die gerade versucht wieder Visum für Israel zu bekommen, weil sie dort gearbeitet hat und wieder arbeiten will. Es ist sehr schwierig und sie steht ständig unter Anspannung, weil ihr ganzes Leben gerade von der Entscheidung der Botschaft abhängt.
Alle von uns haben ein eigene Zimmer derzeit noch, aber jeden Abend geht meine Zimmertür auf und die 35- jährige kommt herein, und fragt mich, ob sie wieder bei mir schlafen darf, weil alleine hat sie Angst. Am Morgen verschwindet sie dann wieder in ihr Zimmer.

Ja eine ganz spannende Zusammensetzung hier. Teilweise sehr kräfteraubend für mich, andererseits hab ich echt meinen Platz in dieser Gruppe gefunden und wir sind fast wie eine kleine Familie, ich genieße es sehr.



Also zusammenfassend: Mir geht es recht gut hier. Ich wanke zwischen Chaos, Überforderung, absolute Hilfsbereitschaft, Orientierung finden, zuhause fühlen, Routine etc. herum und bin sehr sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen kann.

Aja ziemlich am Anfang meiner Nepal Zeit wurden wir von einem Erdbeben ueberrascht. Es war spannend sowas mal zu erleben, aber es war eigentlich schon recht lange und min eine Minute lang. Ich hab eine halbe Stunde gebraucht bis ich mich wieder erholt habe, weil alles weiter geschuettelt hat und mir auch noch irgendwie schwindlig war.
Ich bin in einer schmalen Gasse zwischen hohen Haeusern gestanden und hab sie angeschaut, in der Hoffnung, dass sie nicht umfallen.
In meiner Gegend ist nichts schlimmes passiert, aber gleich um die Ecke von meiner Gastfamilie sind 3 Menschen gestorben (die Mauer der englischen Botschaft ist umgefallen). Es hatte doch mehr Auswirkungen als wir anfangs dachten, aber wenn es etwas staerker gewesen waere... ich will garnicht wissen was dann noch alles passiert waere.

Ja also so viel solange von mir. Wie geht’s euch zuhause? Was tut sich? Welche Veränderungen gibt es? Ich freue mich immer wieder über Nachrichten von zuhause.
Es ist zwar spannend, dass ich dieses Abenteuer hier ganz alleine mache, aber vermissen tue ich euch schon teilweise sehr.

Allen Studenten wünsche ich einen guten Start ins neue Studienjahr. Ich werde an euch denken (besonders jetzt bei eurem Studienstart und meinem Ferienbeginn).

Derzeit noch viele sonnige Grüße aus Nepal

Sonntag, 18. September 2011

Erste Tag im College

Nachdem ich die ersten unruhige Nacht (begleitet von Hundegebelle u.ä.) in meinem neuen Zuhause verbracht habe, machte ich mich heute um 6.15 Uhr auf den Weg ins College. Ich wusste ca. den Weg. Nach 20 Minuten Fußmarsch, knapp vor dem Ziel, wählte ich die falsche Straße und suchte vergeblich nach meinem College. Nach einer Weile bemerkte ich meinen Fehler und rief eine Lehrerin des Colleges an. Ich gab dann mein Handy zu jemandem auf der Straße und sie erklärte ihm meinen Weg und er zeigte ihn mir dann. Schlussendlich, nach einigem Umweg, kam ich um 10 vor 7 Uhr an. Ich war zufrieden, weil um 7 Uhr der Unterricht beginnt, also dachte ich, dass ich gut in der Zeit bin …….. falsch gedacht!!!!!!!!!! Ich betrat das College und fand dort in der Bücherei eine Dame, sonst niemanden. Ich war also der erste Schüler, der das College an diesem Tag erreichte. Um 7 Uhr kam dann die Lehrerin, die für mich verantwortlich ist und ein, zwei weitere Studenten trafen ein. Sie stellte mir einen Studienkollegen von mir vor, mit dem ich dann eine Weile sprach, während er an dem Plakat für seine Präsentation in der ersten Stunde fertig schrieb. Meiner Meinung nach etwas spät, wenn er um 5 nach 7 Uhr noch an dem Plakat schreibt, dass für seine Präsentation ist, die um 7 Uhr beginnt. Später stellte sich heraus, dass er der absolute Vorzeigestudent ist, weil er überhaupt sie Sachen für seine Präsentation am richtigen Termin mitbrachte, außerdem kam er schon um 7 Uhr, also sehr sehr pünktlich. Irgendwann so um 7.15 Uhr suchte uns dann die Lehrerin, mit der ich vorher telefonierte, und sie sagte uns, dass der Unterricht (mit eh nur 15 Minuten Verspätung) nun beginnt. Wir gingen in den Klasseraum und drei motivierte Studentinnen warteten dort schon. Also konnte der Unterricht beginnen. Im Laufe der Stunde trafen noch zwei weitere ein. Am Ende der zweiten Stunde waren wir schon stolze 11 Studenten (von 24). Nach der Pause starteten wir dann wieder zu fünft, zwei weitere kamen etwas verspätet aus der Pause und schlussendlich kamen dann noch die restlichen 4 mit nur 30 Minuten Verspätung, aber sie waren da.

Ja macht schon Spaß in so einem nepalesischen College, wo die Disziplin spannend ist. Eine Lehrerin hat gemeint, sie wollen sich ein Vorbild an Österreich nehmen, wo es anscheinend anders ist. Ich bin gespannt, ob ich morgen um 7 Uhr (wird natürlich auch nicht früher hingehen), wieder die einzige bin.
Der Unterricht war ganz spannend, teilweise sehr auf Sozialarbeiter bezogen, was mich eigentlich sehr interessiert. Prinzipiell halten sie sich auch gut daran, dass Englisch gesprochen wird, außer eine Vortragende gab nach 5 min auf und zog die restliche Stunde mit Nepali durch, obwohl alle recht gut Deutsch könnten.

Naja nach 4 Stunden war der Tag vorbei, ich ging in mein Hostel und genoss meinen Reis mit Souce.

Anschließend ging ich das Vorhaben Wäsche waschen an. Die Betreuerin vom Hostel sah mir kurz zu, aber hielt es nicht aus, also zeigte sie mir dann, wie ich es machen soll. Sie erklärte mir alles so lange, bis meine gesamte Wäsche sauber. Also könnte passieren, dass ich mich nächstes Mal nochmal blöd stelle ;-) nein Scherz, es ist schön mit der Hand zu waschen, mal eine andere Erfahrung.
Aja übrigens bin ich die einzige Studentin hier gerade. Hab ein drei-Bett-Zimmer alleine. Aber in einem Monat kommen die anderen. Außerdem ist die Betreuerin extrem nett, sie ist auch der Hauptgrund warum ich mich so schnell für das Hostel entschieden habe. Gestern am Abend hat sie mir erzählt, dass sie diesen Job kündigen will und vielleicht bald geht. Ja super, wiedermal wird alles anders und chaotisch, aber ok. Hoffentlich entscheidet sie sich noch anders, oder sonst kommt hoffentlich schnell jemand nach, sonst bin ich wiedermal Obdachlos, aber ich bin zuversichtlich.

Etwas chaotische Grüße aus Nepal

(Aja neben dem ganzen Chaos sei noch erwähnt, dass es mir sehr sehr gut geht und ich mich wohl fühle. Außerdem wachse ich an jeder Herausforderung ein Stück )

Nepal- chaotisch but nice

Mittlerweile bin ich schon seit 2 Wochen in Nepal. Ich hatte diese zwei Wochen Begleitung von Elena, einer Österreicherin, die letztes Jahr hier 6 Monate lang studiert hat. Außerdem bekam sie besuch von 3 Freunden aus Österreich, also hatte ich ca. 10 Tage absolut touristisches Programm. Somit hab ich von Kathmandu schon die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen.


Am Dienstag war ich dann das erste Mal im College und hab mich mit der Verantwortlichen getroffen. Wir haben mal einen Stundenplan für mich zusammengestellt. Ich habe pro Tag 4 Stunden mit den Studenten des 4. Semesters. Aber sie sind schon mitte drinnen im Semester, also werde ich einfach mitten drinnen einsteigen. Mein Stundenplan gilt aber jetzt mal nur bis Mitte November. Weil ab dann fängt bei ihnen das neue Jahr an. Aja und jetzt sind dann mal ganz viele wichtige Ferien hier. Also ich komm echt im richtigen Moment daher, was das Studium betrifft. Naja bin schon gespannt.


Diese Woche hab ich einige Organisationen angeschaut, bei denen ich vielleicht mitarbeiten kann. Da gibt es schon einige spannende. Hoffe es wird bald mal was, dass ich dort anfangen kann.




Ja und letzten Sonntag am Abend bekam ich eine spannende Nachricht: Ich kann aus verschiedenstene Gründen nicht mehr bei meiner Gastfamilie bleiben. Einerseits, weil sie während der kommenden Festtage nicht da sein werde. Außerdem werden sie die Küche renovieren und mein Zimmer ist in der Zwischenzeit die Küche. Dazu kommt, dass die Gastmutter gerade krank ist und sie wissen nicht sicher, ob es etwas ernsthaftes ist.


Ja war anfangs ein bisschen ein Schock für mich. Mittlerweile hab ich ein echt nettes Studentenheim und werde in wenigen Stunden dorthin umziehen. Ich werde mir dort mit 3 Mädchen ein Zimmer teilen und das Badezimmer ist am Gang. Aber das ist absolut ok für mich, ich will es eh einfach haben. Doch bin schon gespannt wie das so werden wird.



Naja also heute Umzug, morgen ersten Tag im College, dann noch Projekt suche und mein Leben hier wird schön langsam etwas geregelt und alltäglich.



Aja das Land, die Leute... alles eigentlich sehr ädnlich wie in Indien, und doch wieder ganz anders. Man kann es nnur schwer vergleichen. Aber für mich ist irgendwie alles sehr normal und ich fühl mich wohl.


Doch darüber ein anderesmal mehr. Ich muss jetzt mal meinen Koffer packen.


Ganz liebe Grüße aus Nepal!!

Montag, 5. September 2011

Die letzten Tage in Indien - die ersten Tage in Nepal

Mittlerweile hab ich die letzten Tage in meinem Projekt in Indien Visakhapatnam verbracht. Am Mittwoch stand ich um 5 Uhr auf um nach Sabbavaram in das Projekt unter Palmen zu fahren, um einen ganzen Tag mit den Jungs zu verbringen. Ich hab ganz viel Cricket gespielt und wir hatten eine schöne Zeit.
Am Donnerstag stand ich dann noch etwas früher auf und ging im strömenden Regen zum großen Busbahnhof, erst auf halben Weg kam endlich ein Outo, das mich mitnahm. Ich fuhr dann mit dem Bus nach Narsipatnam, in ein Dorf am Fuße des Berges, auf dem ich schon zweimal mehrere Bergdörfer besucht habe. Dort in Narsipatnam gibt es Salesianer, die verschiedene Projekte aufgebaut haben, unter anderem ein College. In diesem College sind nun zwei Burschen, die früher im Shelter bzw. in Sabbavaram waren. Der ehemalige Shelterburschen war an diesem Tag auch da und wir hatten sehr viel Zeit miteinander zu reden und er zeigte mir sein College und vieles andere. Er hat keine Familie mehr, also war mein Besuch irgendwie wie so, wie ein Besuch der Familie und das war für uns beide wunderschön. Am Vormittag zeigten sie mir das Haus eines Mitarbeiters, dann ginge wir ins Nachbarhaus Kuchen anschneiden, weil ein kleiner Junge Geburtstag hatte und dann besuchte ich auch noch einen wunderschön geschmückten Tempel mit Ganeshstatue, weil gerade dieses große Fest ist. Die Zeit verging sehr schnell und ich entschied mich dort zu übernachten, da es wegen dem Fest recht unruhig war auf den Straßen. Ich verbrachte die Nacht also im Mädchen- Hostel, die sich auch sehr darüber freuten.
Am Freitag stand ich dann um 4 Uhr auf, damit ich rechtzeitig um 7.15 in Visakhapatnam bin, da die Messe dort für mich gehalten wurde. Ich schaffte es dann auch dorthin mit 5 Minuten Verspätung, dank der indischen Pünktlichkeit.

Nach Messe und Frühstuck ging ich mich in die Schule verabschieden. Den Nachmittag und Abend verbrachte ich im Shelter und die Nacht dann mit packen, putzen etc.
Am Samstag wieder um 5.30 aufstehen, packen, verabschieden, Abflug. Dann hatte ich einen Tag Aufenthalt in Delhi, in einem wunderschönen beeindruckenden Don Bosco Projekt. Nach einer kurzen Nacht stand ich wieder um 4 Uhr auf, ab zum Flughafen und ich saß im Flieger nach



NEPAL

Das Wetter meinte es recht gut mit uns, obwohl es in Delhi zuvor stark geregnet hatte. Wir hatten vom Flieger aus einen gigantischen Blick auf das Himalayagebirge. Alles war mit Wolken bedeckt, die von der Sonne beschienen wurden und dahinter sah man die mit Schnee bedeckten Berggipfel, traumhaft. Später konnten wir auch noch auf das grüne hügelige Land von Nepal einen Blick werfen. Am Flughafen wurde ich dann von Elena (die Studentin die letztes Wintersemester hier war) abgeholt und nach Hause gebracht. Die Umgebung hier sieht eigentlich teilweise wie Indien aus und doch wieder oft ganz anders. Das Haus in dem ich wohnen werde (bei der Gastfamilie) ist wunderschön, hat drei Stockwerke und natürlich ein Flachdach. Derzeit teile ich das Zimmer, das später mir gehören wird, mit einer Engländerin und der Elena. Das Zimmer ist zum Glück ganz einfach eingerichtet, eine Matratze am Boden, ein kleiner Tisch und eine Couch und das wars. Aber derzeit lebe ich noch aus meinem Rucksack.

Die Gastfamilie hat einen Sohn und eine Tochter. Beide sind glaube ich älter als ich. Die Tochter arbeitet in dem College in das ich dann gehen werde, dadurch lässt sich vieles leichter organisieren, obwohl ich nicht weiß ob es überhaupt mal einen Plan für mich gibt. Anscheinend beginnen die Semester alle ganz verschieden, und im Oktober, November sind ganz viele Feste usw.
Naja die Elena hat heute Besuch bekommen, also werden wir jetzt mal eine Woche fort fahren und noch etwas touristisches Programm machen. Danach werde ich noch intensiv Training im Umgebung- Erkunden machen, damit ich mich bald alleine zurecht finde. Da das College anscheinend noch nicht so bald irgendein Programm für mich hat, werde ich mich bald mal nach einer Organisation umschauen, bei der ich vielleicht etwas mitarbeiten kann oder so. Naja und eigentlich nervt mich, dass ich nicht Nepali kann, weil ich es in Vizag schon so genossen habe, etwas Telugu sprechen zu können. Doch prinzipiell bin ich erst eineinhalb Tage da, also hat eh alles noch etwas Zeit, doch meine Motivation ist groß.

Ich hab schon einige Erzählungen gehört, dass es im Winter sehr kalt wird und ständig Stromausfall ist usw. Jaja bin schon sehr gespannt was noch alles auf mich zukommt.


Hoffe euch zuhause geht es allen gut. Ich freu mich immer wieder über e- mails und es schaut garnicht so schlecht aus mit der Möglichkeit, sie auch hin und wieder zu beantworten.


Also erstmal ganz liebe Grüße aus Nepal!


Martina

Mittwoch, 24. August 2011

Back in Indien

Nun ist schon wieder ein Jahr vergangen, seit ich meinen letzten Blogeintrag geschrieben habe, ja ein Jahr in Österreich. Diese Zeit war anfangs nicht so leicht, weil ich so viel erlebtes zurücklassen musste und wieder mich zurecht finden musste, doch mit der Zeit, besonders am Schluss, hab ich Österreich wieder lieben gelernt wie zuvor. Danke an meine Freunde und Familie für eure Unterstützung dabei 

So naja und damit ich mich ja nicht zu wohl fühle, bin ich am 13. August nach Indien wieder aufgebrochen.
Nachdem ich am Flughafen in Dubai mit w-lan 5 Stunden verbracht hatte, landete ich am 14. August in der Früh am Flughafen in Hyderabad. Die Bettina (die mit mir das freiwillige soziale Jahr verbracht hat) war schon eine Weile in Indien, also holte sie mich vom Flughafen ab und wir verbrachten einen gemeinsamen Tag in Hyderabad. Es war ein gutes Gefühl wieder indische Luft zu riechen, Telugu zu sprechen und viel Vertrautes wieder zu erkennen. Die Nacht verbrachten wir dann im Zug und den 15. August (Independenceday) verbrachten wir in Vijayawada mit vielen anderen Volontären. Wir machten dort auch ein Programm für einige Burschen.
Dann am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Bettina und den anderen Volos und machte mich auf die Reise nach Visakhapatnam, die Stadt in der ich ein Jahr gelebt habe. Im Zug kamen verschiedenste Gefühle in mir hoch. Einerseits die Vorfreude die Menschen wieder zu sehen, mit denen ich ein Jahr gelebt habe. Andererseits war auch etwas Unsicherheit dabei, wie es sein wird.

Am Bahnhof holte mich der Father ab und es war zu meiner Überraschung von Anfang an alles sehr sehr vertraut, so als wäre ich nie weg gewesen. Also der Schock, den ich eigentlich erwartet hatte, blieb aus. Viele erlebte viel Wiedersehensfreude und sah viele bekannte Gesichter. Es war auch wunderschön meine beiden Nachfolgerinnen, Fabiana und Christina, mit denen ich schon viele Telefongespräch führte, bei ihrer Arbeit zu sehen und mit ihnen gemeinsam hier zu leben.

Das Essen, die Menschen, die Atmosphäre, der Dreck auf der Straße (hauptsächlich von der Stahlfabrik), die Straße, die Verkäufer in den kleinen Geschäften… alles ist noch wie vorher und so viele erkennen mich wieder oder wissen sogar noch meinen Namen. Aja und nebenbei erwähnt, sogar mein Telugu ist noch genauso wie vorher, bin stolz drauf, dass ich halbwegs kommunizieren kann 

Im Shelter hat sich einiges geändert, es sind ganz viele neue Gesichter. Doch die Stimmung hat sich um so viel verbessert. Die gemeinsame Zeit ist sehr locker und ungezwungen und gibt mir und den Burschen viel Halt. Obwohl ich hier eigentlich auf Urlaub bin verbringe ich so gut wie jede freie Minute mit ihnen. Für mich einfach unvorstellbar schön.

Doch die allerschönsten Momente erlebte ich jedes Mal auf dem Schulweg, den ich nun schon einige Male ging. Ich treffe dort viele viele ehemalige Schüler von mir, die mich schon von der weitere erkennen und rufen „Martina Sister“ und dann auf mich zu laufen und mir in die Arme fallen. Und das allerschönste ist hier Gewand... sie alle tragen nämlich eine Schuluniform einer öffentlichen Schule und sie begegnen mir auf den Weg dorthin. Für alle die nicht so genau Wissen in welcher Art von Schule ich unterrichtet habe… es ist das Ziel der Schule, dass die Kinder dann die öffentliche Schule gehen. Also jedes einzelne Kind, das mir auf dem Weg begegnet und nun schon 4 Monate oder meine alten Schüler eineinhalb Jahre die öffentliche Schule besucht, zeigt mir, dass meine Bemühungen und meine Nerven es wert waren. Ich bin so stolz auf die alle und sage ihnen es täglich, wenn ich sie wiedersehe. Und das schöne ist, sie sind selbst auch sehr stolz.

Natürlich gibt es auch Schüler, um die ich mich ein Jahr lange bemüht habe und jetzt seh ich wieder auf der Straße spielen oder im Haushalt arbeiten, aber zum Glück nur sehr wenige.


Ich ging nun schon zweimal mit der Lehrerin von der Schule mit in die Häuser der Kinder, wo sie nachfragt, warum die Kinder nicht in unsere Schule kamen, oder sie kontrolliert, ob sie eh noch brav in die öffentliche Schule gehen. Extrem spannend die Häuser der Kinder, aus dem sehr armen Viertel, zu sehen. Es ist jedoch immer wieder amüsant, wenn ein Kind fröhlich aus dem Haus springt und auf die Frage, warum es nicht in der Schule sei mit „Sister Fieber“ antwortet. Ja Fieber kann alles bedeuten, von wirklich Malaria- Fieber bis „mich freuts heute nicht- Fieber“. Aber Hauptsache die Kinder und ihre Eltern merken, dass es uns wichtig ist, dass sie die Schule besuchen.


Uiui das ist ja schon wiedermal jede Menge geworden.

Also mir geht es sehr gut, ich genieße die Zeit hier.

An Nepal denke ich schon etwas, aber eher nur sehr wenig. Manchmal macht mich die Ungewissheit etwas nervös, aber ich freu mich schon sehr auf die Herausforderungen, die dort auf mich warten werden.
Als am 3. September werde ich nach Nepal aufbrechen und dort am 4. September in der Früh ankommen. Von Indien weiß ich nicht, ob ich mich nochmal melde. Mal sehen.


Genießt noch die letzten Tage eurer Ferien und des Sommers.

Ganz liebe kunterbunte Grüße


Martina

Sonntag, 29. August 2010

Die letzten Stunden im Projekt

Es ist gerade 3 Uhr in der Nacht und eigentlich sollte ich schlafen, weil eine lange anstregende Reise auf mich zukommt. Aber es ist meine letzte Nacht in meiner gewohnte Umgebung und die will ich nicht versaeumen, ausserdem gibt es noch immer so viele Dinge die ich noch gerne erledigen will um hier gut abschliessen zu koennen.
Aber bevor ich ueber den Abschied schreibe, will ich euch noch kurz schildern, was in den letzten Wochen so los war:

Im letzten Blog hab ich euch von meiner lieben 1. Klasse berichtet, die ich abgelegt habe. Bereits am ersten Tag, als ich nicht mehr in die Klasse ging, waren die Gesichter der Kinder sehr traurig und ein Lehrer erklaerte ihnen, was der Grund ist, dass ich nicht mehr bei ihnen unterrichte. Nach der Stunde kamen sie dann alle zu mir und entschuldigten sich viele Male. Ich merkte in ihren Gesichtern, dass sie eine sehr wichtige Lektion bereits gelernt haben, aber ich wartete noch ein paar Tage ab. Dann uebernahm ich sie wieder. Ich fuehrte eine Smile- Liste ein. So bekam jedes Kind nach der Stunde in einer Liste einen lachenden oder einen traurigen Smile, natuerlich hebte es die Motivation sehr. Ausserdem haben sich auch viel verstanden und das Unterrichten war dann viel angenehmer.

In den anderen Klassen war das groesste Problem, dass viele Kinder in die Doerfer zu ihren Verwandten fahren. Sie fehlen dann oft 2-3 Wochen und versaeumen natuerlich wichtigen Unterrichtsstoff. Sonst bin ich sehr zufrieden mit meinen Klasse, da wir immer wieder verschiedenste Erfolgserlebnisse hatten. In den letzten Wochen war es teilweise wieder sehr heiss. Das macht es echt schwierig, dass sich die Kinder konzentrieren koennen. An solchen Tagen versuche ich dann durch verschiedene Spiele ihnen den Stoff zu vermittlen, sodass es ihnen leichter faellt.

Letzten Mittwoch hatten wir dann noch die abschliessenden Exams mit unseren Klassen gemacht. Die Ergebnisse waren fast alle ziemlich gut. Doch es ist immer wieder spannend zu sehen wieviel die Kinder dann wirklich wissen.

Naja und bald nach den Exams war dann auch schon der Freitag, unser letzter Schultag. Am Vormittag unterrichtet ich noch ganz normal,natuerlich ein bisschen freier als sonst. Am Nachmittag gab es dann in der Schule ein send- off Programm. Die Kinder tanzten und sangen fuer uns, wir sagten ihnen noch ein paar letzte Worte (auf Telugu  ) und sie schenkten uns Zeichnungen. Ausserdem sagten ein paar Kinder etwas ueber uns. Ueber mich sagte ein 1. Klaessler etwas. Seine letzten Worten waren „Ich bin sehr traurig, weil die Sister geht“, und dann brach er in Traenen aus. Doch am meisten weinte der Bursche aus der 1. Klasse, mit dem ich mich am meisten aergern musste doch zu dem ich vielleicht gerade dadurch eine so enge Beziehung aufgebaut habe.
Doch beim Abschiedsprogramm waren nicht nur unsere Schueler, sondern auch unsere alten Schueler. Schoen zu sehen, dass sie alle kommen um sich von uns zu verabschieden. Ein Bursche erzaehlte uns, dass er bei den letzten Pruefungen der Beste seiner Klasse war, und ein anderer ehemaliger Schueler war Zweiter. Ich bin richtig stolz, dass unsere Schueler so gut sind.

Weiters hatten wir schon am Donnerstag ein Abschiedsprogramm mit vielen Taenzen in Sabbavaram. Es war wunderschoen nochmal alle Burschen zu sehen und es war sehr schwer sich von ihen zu verabschieden, weil doch eine enge Beziehung zu vielen von ihnen entstand.

Am Samstag verabschiedeten wir uns im Meeting von den Mitarbeitern, was auch sehr ruehrend war, weil jeder etwas ueber uns sagte und vielen Mitarbeitern ins Gesicht geschrieben war, dass sie uns nicht nur als Kollegen sondern viel mehr als Freunde vermissen werden. Mir wir des genauso gehen, dass ich einige Freundschaften sehr vermissen werde.

Heute, Sonntag, war dann der schwerste Abschied, naemlich im Shelter. Da wir im selben Haus wohnen und jeden Nachmittag, und alle freien Tage und Wochenenden, Feste und Feiern gemeinsam verbracht haben, sind wir mit den Burschen ein bruederliches Verhaeltnis aufgebaut und es ist sehr schwer sie zurueck zu lassen. Es ist ungewiss ob und wann ich sie je wiedersehen werde. Doch es ist wunderschoen zu sehen, wie viel wir in diesem Jahr bewirken konnten.
Jetzt ist es einfach an der Zeit nurmehr die Fruechte unserer Arbeit zu ernten, den fuer andere ist es leider schon zu spaet.
Ein Junge sagte heute zu mir: „Sister you no Austria going, you in my heart fix.“ Ja da kommen die Traenen, aber auch ganz viel Dankbarkeit fuer die gemeinsame Zeit.
Am Abend gingen wir mit den Burschen noch gemeinsam Cricket spielen. Morgen werden wir auch noch den Nachmittag mit ihnen verbringen und am Abend gehts dann mit dem Zug nach Hyderabad und dann bald auch schon in Richtung Oesterreich.

Ich kann schwer sagen welches Gefuehl gerade ueberwiegt. Einerseits bin ich sehr traurig ueber den Abschied und ich werde viele Menschen sehr vermissen, andererseits bin ich sehr sehr dankbar fuer all die Erfahrungen, Momente, Begegnungen und ganz besonders fuer die Menschen hier, die meine Freunde und Brueder wurden.


Ich danke allen, die meinen Blog immer wieder gelesen haben, fuer euer Interesse.
Ganz besonders bedanke ich mich auch bei meiner Familie und meinen Freunden, die mich bei meinem Vorhaben unterstuetzt haben und mir immer zur Seite gestanden sind. DANKE!!!

So in wenigen Tagen bin ich wieder bei euch. Bin schon sehr gespannt was alles auf mich zukommt.


Zum letzten Mal ganz liebe Gruesse aus dem wunderschoenen, kunterbunten Indien!!

Eure Martina

Freitag, 6. August 2010

Der letzte Monat brach an

Seit dem letzten Blogeintrag war schon wieder jede Menge los. Wir hatte im Juli ganz besonderen Besuch. Es kamen naemlich die 3 Volontaerinnen, die im letzten Jahr bei uns im Projekt waren. Es war irgendwie schoen zu sehen, wieviel Bezug auch noch nach einem Jahr besteht. Ausserdem war es fuer uns sehr interessant mit ihnen zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen, aber auch ueber Veraenderungen zu sprechen. Damit das ganze noch spannender wurde, kamen dann auch noch 2 Volontaerinnen aus Vijayawada. Es war echt schoen so gemeinsam zu sein und wir fuehrten viele spannnende Gespraeche.
Auch fuer die Kinder war es spannend ploetzlich 7 Sisters ums sich zu haben. Einmal fuhren 6 von uns gemeinsam nach Sabbavaram und dort machten wir gemeinsam ein Gelaendespiel mit den Burschen. Wir brachen bereits um 6 Uhr in der Frueh auf um moeglichst bald im Projekt zu sein und viel Zeit mit ihnen verbringen zu koennen. Leider hatten wir mit dem Wetter echt ein Pech und es regnete in stroemen. Besonders waehrend dem Spiel regnete es am meisten. Aber wir machten uns nichts daraus, also rannten ich und die Kinder durch Gatsch und Schlamm im Regen von einem Haus zum anderen und wieder zurueck und wieder hin. Es war echt egal und wirklich sehr sehr lustig. Am Nachmittag wurde es dann sogar etwas sonnig und am Abend spielten wir dann noch fleissig Fussball. Es war wiedereinmal ein wunderschoener Tag in Sabbavaram und die Burschen hatten einen grossen Spass und wir sowieso.

Im Shelter leiden zur Zeit die Outdoorgames unter verschiedensten Bedingungen. Einerseits ist das Wetter ein Problem, weil es immer wieder stark regnet und wir dann einige Tage wieder nicht auf den Platz duerfen, oder auf unserem Platz Wasser steht und wir so etwas im Gatsch spielen. Ein weiteres Problem ist auch, dass der Platz auf dem wir spielen nicht uns gehoert und wir somit auch viel nicht selber steuern koennen. Da passiert es dann zum Beispiel, dass fuer einige Wochen auf dem halben Platz Erdhaufen liegen, sodass wir nicht ordentlich spielen koennen. Der Sport waere so wichtig fuer die Burschen, weil sie den ganzen Tag nur sitzen und sich im Haus befinden, aber leider ist es hier irgendwie unmoeglich einen Platz zu kaufen.
Durch den neuen Father ist im Shelter irgendwie eine ganz andere Athmosphaere, die uns sehr zugute kommt. Wir haben somit mehr Zeit und auch Freiheit mit den Burschen zu reden, oder einfach herumzualbern. Ich geniesse es so sehr mit ihnen zu sein. Es entstehen so viele nette Gespraeche oder auch nur Blickkontakte. Sie sind fuer mich einfach meine kleinen Brueder und ich hab sie echt sehr ins Herz geschlossen. Der Gedanke, dass ich in wenigen Wochen nicht mehr einfach schnell rueber gehen kann zu ihnen, macht mich sehr traurig.

In der Schule hatte ich in dieser Woche eine etwas schwierige Situation. Die 1. Klasse war schon immer sehr schwierig zu unterrichten fuer mich, weil es sprachlich einfach echt schwierig ist und die Kinder noch sehr jung sind und darum noch viel mehr Sprache notwendig waere. Aus diesen und anderen Gruenden habe ich diese Woche beschlossen die 1. Klasse abzulegen und nicht mehr zu unterrichten, da es echt nicht mehr gut war so wie es lief. Die Kinder reagierten darauf echt mit sehr vielen Schuldgefuehlen und entschuldigten sich tausende Male. Sie fragen mich auch jetzt jeden Tag, wann ich wieder zu ihnen unterrichten komme. Sie muessen leider gerade einfach die Lektion lernen, dass es Konsequenzen hat, wenn sie nicht zuhoeren koennen. Ein weiteres Problem bei der Sache ist das Verhaeltnis, das ich zu den Kindern habe. Ich bin einfach kein indischer Lehrer, der mit viel viel Autoritaet unterrichtet. Das kennen die Kinder hier leider eher nicht, also schaffen sie es nicht, dass sie mir gegenueber genausoviel Respekt bringen, wie den anderen Lehrern, weil sie ja keine Angst vor mir haben. Hier prallen zwei paedagogische Welten aufeinander. In den hoeheren Klassen ist dies kein Problme, da sie schon reifer sind, aber die liebe 1. Klasse einfach noch zu jung um soweit zu denken. Jetzt muessen sie darauf verzichten, dass sie von mir unterrichtet werden, aber lernen, dass ihr Handeln konsequenzen hat.
Sonst laeuft es in der Schule recht gut. Ich freu mich immer wieder ueber neue Schueler, die mein ganzes Konzept durcheinander schmeissen. Nein, nicht weil sie so schlimm sind, sondern weil sie einfach auf einem ganz anderem Niveau sind als die anderen Schueler. Ein gutes Beispiel liefert meine 4. Klasse, die ich in Mathematik unterrichte. Ich habe Schueler, die multiplizieren zweistellig ohne Probleme, ein paar lernen zweistellig zu mulitplizieren, andere lernen gerade das Einmaleins, naja und dann kommt eine liebe neue Schuelerin und ich entdeckte, dass sie vom Einmaleins keine Ahnung hat, irgendwie sagt ihr auch Minus nichts und mit einem Plus weiss sie auch nicht was sie anfangen soll. Schlussendlich entdecke ich dann noch, dass sie 5 spiegelverkehrt schreibt. Puh ja und dass ist ein 10 jaehriges Maedchen. Irgendwie echt traurig, aber genau solche Kinder will ja unsere Schule fangen. Wir haben sie jetzt in die 2. Klasse gesteckt und wer weiss, vielleicht lernt sie schnell und hat verstecktes Wissen, denn oft ist es nur eine Sache des Auffrischens und Wiederholens. Auch in English ist es spannend, weil manche Kinder in der 2. Klasse Englisch lesen koennen, und andere schreiben so, sodass man die Woerter nicht entziffern kann, weil sie die Buchstaben nicht richtig schreiben koennen. Aber echt eine geniale und gute Herausforderung fuer mich. Ausserdem bringt es soviele Erfolgserlebnisse mit sich.

Ein weiteres schoenes Feedback sind unsere alten Schueler, die jetzt schon in die oeffentliche Schule gehen. Wenn sie naemlich einmal einen freien Tag habe, dann kommen immer einige zu uns in die Schule und setzen sich sogar teilweise in den Klassen dazu und lernen mit. Manche sagen sogar, dass sie wieder in unsere Schule wollen, weil die ist besser als die neue. Ja echt schoen, dass sie sich bei uns so wohl gefuehlt haben, aber noch schoener, dass sie jetzt in eine oeffentliche Schule gehen.

Gestern wurde ich von der Schulleiterin in ihr Buero gerufen. Als ich dort ankam, wartete eine ehemalige Schueler (Monika) und ihre Schwester auf mich. Die Eltern der beiden Maedls sind beide an Aids (soweit ich mich richtig erinnere) gestorben. Die zwei Leben jetzt bei Tante und Onkel, die selber 3 Kinder haben. Die Familie hatte eigentlich ein Haus, aber aus finanziellen Problemen mussten sie es vermieten. Sie haben sich nicht einmal einen Raum behalten, sondern haben sich am Dach einen kleinen Verbau gebaut, indem jetzt die 5 Kinder und 3 Erwachsene Leben. Da sie finanzielle solche Probleme haben, habe ich ihnen ein bisschen Geld (das ich von Verwandten und Bekannten bekommen habe- Danke) gegeben, mit dem die Schulleiterin Schuluniform, Schultasche und Buecher gekauft hat. Gestern waren dann die beiden Maedls mit einem Brief, einer Zeichnung und einen Obst fuer mich da. Es war so schoen die beiden zu sehen, wie sie dankbar sind, dass sie in die Schule gehen koennen. Andererseits hat es mir aber auch weh getan, da das Gesicht von Monika irgendwie sehr abgemagert wirkt. Es ist erstaunlich wie finanzielle Probleme einer Familie ein Kind runterziehen koennen.
Meine Bewunderung fuer dieses Kind ist enorm. Monikar war immer die, die jeden Tag die Hausuebung brachte, und dass wunderschoen, sie kam taeglich in die Schule, war in meiner Englisch Klasse eine echt gute Schuelerin. Und jetzt wo ich ihren Background weiss, wundere ich mich echt, wie sie das schafft, doch es macht mich zuversichtlich, dass sie einmal eine besser Zukunft haben kann.

Ich habe den Blog noch nie verwendet um Spenden aufzutreiben, aber einmal moechte ich es erwaehnen.
Ich habe in diesen Jahr sehr viele Menschen mit guten Plaenen und viel Motivation kennengelernt und auch viele Ideen gehoert und auch selber viele Traeume und Vorstellungen gebildet. Doch es ist leider Tatsache, dass wirklich viel aus finanziellen Gruenden scheitert. Geld fehlt an jeder Ecke. Zum Beispiel in Sabbavaram (unserem Palmenprojekt) werden gerade zwei Gebaeude gebaut. Eines davon kann spaeter einmal das Zuhause fuer 150 oder sogar 200 Burschen werden. Die Bauarbeiten gehen sehr langsam vorran. Unteranderem sind die fianziellen Probleme ein grosser Mitgrund dafuer.
Wenn jemand etwas geben will, oder ein Projekt hat, bei dem Spenden zusammenkommen, oder andere kreative Ideen hat, wie mein Projekt an Spenden komen kann, wuerde ich mich sehr freuen. Mein Grundsatz ist immer irgendwie „Geld macht nicht gluecklich“. Leider ist es aber so, dass in vielen Situationen Geld notwendig ist um eine gute Basis zu schaffen.

Jeder kleiner Beitrag ist extrem wichtig, denn nur so kann grosses entstehen!!



Meine Zeit hier geht schoen langsam dem Ende zu. Es sind mittlerweile weniger als 4 Wochen. Innerlich gehts in mir rund, wenn ich daran denke.
Irgendwie ist ein Jahr garnicht so lange. Ich kann jetzt etwas Telugu, ich bin in Indien eingewoehnt, ich kenne das Projekt, die Menschen um mich, die Menschen kennen mich .... und ich kenn auch mich selbst besser. Also es waere gerade echt vieles ideal um noch viel zu bewirken und ich wuerde auch noch gerne. Aber es war ein Jahr geplant und wahrscheinlich ist es auch gut so. Ich bereite mich schoen langsam vor auf das Verabschieden und abschliessen. Das Land, die Menschen um mich, der Lebensalltag, aber ganz besonders die Kinder, sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Es wird schwierig das alles hier hinter mir zu lassen. Deshalb hab ich auch irgendwie in meinem Kopf nicht sehr viel Platz mich auf Oesterreich wieder vorzubereiten. Aber natuerlich gibt es auch schon wieder einige Sachen auf die ich mich in Oesterreich wieder freue.

Aber derzeit konzentriere ich mich noch voll auf meine Arbeit. Nebenbei habe ich gestern schon begonnen meinen Koffer zu packen, damit ich am Schluss keinen Stress bekommen.

Also zusammenfassend... mir geht es sehr gut und ich geniesse noch meine letzte Zeit hier in Indien.


Hoffentlich geniesst ihr alle den Sommer. Freu mich schon auf ein Wiedersehen!!!!


Ganz liebe Gruesse aus dem wunderschoenen Indien


Martina



Fuer die Spenden

Empfänger: Jugend eine Welt - Don Bosco Aktion Österreich
Kontonummer: 92.083.767
Bankleitzahl: 60000
Verwendungszweck: Indien, Visakhapatnam, Baumgartner